Um in Zeiten wie diesen weiterhin profitabel wirtschaften zu können, lagern Konzerne ihre IT-Services bevorzugt in Länder mit niedrigen Personalkosten aus. Während der letzten Krise, als es galt das Platzen der DotCom-Blase zu überwinden, konnten neben Indien vor allem die Länder Osteuropas vom Outsourcing-Trend profitieren. Seit dem Jahr 2000 hat sich das Lohnniveau in Osteuropa jenem des westlichen Europas angeglichen, doch mit IT-Outsourcing wird man in den kommenden Jahren in Mittel- und Osteuropa noch immer punkten können. Das ist das Ergebnis einer Befragung, an der sich im Herbst 2008 IT-Verbände und Firmen aus 16 Ländern Mittel- und Osteuropas beteiligt haben. Im vergangenen Jahr machte der IT-Outsourcing-Markt Mittel- und Osteuropas Umsätze von geschätzten drei Milliarden US-Dollar. Von den 16 untersuchten Ländern erreichten die Ukraine, Rumänien, Ungarn, Polen und Tschechien Spitzenwerte. Ausgerechnet der Ukraine, dem Sorgenkind der aktuellen Bankenkrise, wurden in dieser Expertenstudie herausragende Erfolge auf dem Gebiet des Outsourcing vorausgesagt. Ein halbes Jahr später scheint der Optimismus dahin…
Hoffnungsträger 3G?
Die Ukraine zählte bis zum Ausbruch der Wirtschaftskrise zu den stärksten Wachstumsmärkten Osteuropas und wurde 2008 sowohl von Banken als auch von Unternehmen und Anlegern mit Investitionen bedacht. Ein Bruttoinlandsprodukt mit 7,3 Prozent Wachstum im Jahr 2007 sprach für die aufstrebende, 47 Millionen Einwohner starke Volkswirtschaft. Der Abschwung hat allerdings bereits im zweiten Halbjahr 2008 eingesetzt. Mittlerweile ist die allgemeine Stimmung in der ukrainischen Wirtschaft eine andere, es ist sogar vom "möglichen Staatsbankrott" die Rede.
Am Telekom-Sektor ist im laufenden Jahr allerdings noch immer Wachstumspotenzial vorhanden. Begünstigt wird diese Entwicklung vor allem durch die geplante Realisierung der 3G-Technologie: Die Errichtung und der Betrieb eines Mobilfunk-Netzes der dritten Generation (3G) auf dem gesamten Staatsgebiet der Ukraine wird durch den staatlichen Festnetz-Betreiber UkrTelekom betrieben. Geplant ist die Gewinnung von mindestens neun Millionen Kunden. Das derzeit vorhandene 3G-Netz des Konzerns ist für höchstens eine Million Nutzer ausgelegt. Die Gesamtzahl der ukrainischen Mobilfunknutzer könnte damit von derzeit 55 Millionen auf über 60 Millionen steigen.
Kundenschwund
Das ist allerdings noch Zukunftsmusik: Der Markt für Telekommunikationsdienstleistungen ist zwar einer der wachstumsstärksten der ukrainischen Wirtschaft, doch das Umsatzwachstum hat sich in den letzten Jahren deutlich verlangsamt. Der Abschwung ist auch an den sinkenden Zahlen der Vertragskunden zu beobachten: Anfang des Jahres zählten die Mobilfunk-Anbieter noch 55,6 Millionen Kunden, sechs Monate später waren es bereits 400.000 weniger. So konnte der Marktführer Kyivstar mit schlanken Tarifpreisen 400.000 neue Kunden gewinnen, doch im gleichen Zeitraum kündigte eine halbe Millionen Nutzer ihre Verträge.
Im Südosten nichts Neues
Eine ähnliche Entwicklung war auch auf den Telekommunikationsmärkten Südosteuropas zu beobachten: Im letzten Quartal 2008 verlangsamte sich das Wachstum, beziehungsweise stagnierte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise sind vor allem auf dem in den vergangenen Jahren stetig wachsenden bosnischen Markt unübersehbar. Umso überraschender ist es, dass die Entscheidung über den Verkauf der bosnischen staatlichen BH Telecom und der teilstaatlichen Eronet noch nicht getroffen wurde. Die größten Regierungsparteien streiten schon seit Jahren, ob und wie die Telekoms privatisiert werden sollen. Anfang Februar 2009, nachdem im Jänner "ein endgültiger" Privatisierungsstopp verkündet wurde, betonte Premier Nedzad Brankovic, Regierungschef der bosniakisch-kroatischen Teilrepublik in Bosnien-Herzegowina, dass die "Entscheidungen über die Privatisierung des strategisch wichtigen Sektors der Telekommunikation" dringend getroffen werden müsse, zudem "diese der einzige Weg sei" das Kapital der bosnischen Razvojna Banka (Entwicklungsbank) zu vergrößern, so Brankovic. Bis dato wurde diesbezüglich keine Entscheidung getroffen.
Ähnlich unentschlossen gibt man sich auch in Serbien: Mitte Februar verkündeten die regierenden Parteien, dass die für die erste Jahreshälfte geplante Ausschreibung, "um endlich einen strategischen Partner" für die angeschlagene staatliche Telekom Srbije zu finden, doch auf den Herbst des laufenden Jahres verschoben wird. In der betreffenden Veröffentlichung wird zudem betont: "Unser Ziel ist es nicht, einen Käufer für die Telekom zu finden". Man wolle lediglich das Kapital für weitere Investitionen beschaffen, aber keinesfalls Anteile am "profitabelsten staatlichen Unternehmen des Landes" abgeben, so die serbische Regierung. Der Gouverneur der serbischen Nationalbank ermahnte daraufhin, dass sich die Regierung zu einem Verkauf der Telekom bis zum Ende des Jahres 2009 verpflichtet hat. Es bleibt nun abzuwarten, ob das Versprechen eingelöst wird.
Gute Nachrichten
Abseits vom zähen Tauziehen um längst fällige Entscheidungen, die die allgemeine Krise weiter verschärfen, gibt es aus dem Südosten Europas auch gute Nachrichten zu vermelden: Das größte serbische Mobilfunkunternehmen Telenor konnte 2008 seine Einnahmen um acht Prozent erhöhen. Den Erfolg habe man vor allem den Einnahmen aus dem Roaming und dem erfolgreichen Geräteverkauf zu verdanken, so Telenor. Die Kundenzahl ist im letzten Quartal 2008 um 67.000 gestiegen und beträgt derzeit 2,84 Millionen. Das verschafft Telenor in Serbien einen Marktanteil von 35 Prozent.
Trends und Chancen
Ob das Wachstum auch im Jahr 2009 eine Fortsetzung findet, ist noch ungewiss. Gewiss ist hingegen der wachsende Konkurrenzdruck, dem man im Osten und Südosten Europas vor allem mit Marktkonsolidierung begegnen muss. Diese Notwendigkeit wird 2009 und 2010 zu einer großen Zahl (grenzübergreifender) Fusionen führen. Privatisierung und die Einführung neuer Technologien, wie zum Beispiel der WiMAX-Funksysteme (WLAN-Technologie), sind weitere Trends und gleichzeitig auch Chance für die Telekommunikationsmärkte Ost- und Südosteuropas die Krise zu meistern.
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März 2009 / Aleksandar Aleksic
Den gesamten Artikel lesen Sie in der März-Ausgabe des pfm-Magazins.
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