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Web 2.0 im Unternehmen

 
Fotocredit: Facebook
 

Web 2.0 für eine Spielerei von Kids zu halten, die keine Bedeutung für Unternehmen hat, ist ein schwerer Fehler. Es wird die heutigen Unternehmensprozesse nämlich genauso gravierend verändern, wie es das Internet seit zwölf Jahren tut. Enterprise 2.0 entwickelt sich daraus immer schneller.

Facebook hat am 21. April mit seinen Ankündigungen auf der Entwicklerkonferenz in San Francisco die gesamte Internet-Branche erschüttert. Die Neuerungen ermöglichen unter anderem jedem Benutzer auf jeder Webseite zu sagen „Gefällt mir“ und damit für alle Freunde sichtbar eine Spur zu hinterlassen. Diese Technologie wird für Unternehmensprozesse gravierende Folgen haben.

Was dadurch möglich wird, ist wieder die gute alte Empfehlung – diesmal via Internet. Eine persönliche Erfahrung dazu: Ich habe am Freitag dem 23. April in der Telekom Presse einen Kommentar unter dem Titel „Gefällt mir“ geschrieben. Der Artikel hatte ganz nette Zugriffszahlen. Plötzlich schnellten sie am Sonntag drastisch in die Höhe. Was war passiert? Ich hatte in meinem Artikel Michael Niavarani zitiert, der schon am 20.4. die Änderungen in Facebook bemerkt hatte. Er hat bereits einiges über 60.000 Fans und postete „... nichts bleibt unentdeckt ...“ samt Link zu meinem Kommentar. Binnen Stunden klickten 2000 Leute auf den Artikel.

Bei Niavarani ist es offensichtlich, dass er mit seinem Heer von Fans bereits extrem viel bewegen kann, dass er selbst bereits zum Medium geworden ist. Aber in kleinerem Ausmaß trifft dies natürlich auf jeden von uns zu. Der durchschnittliche Facebook-User hat zwischen 100 und 200 Freunde, von denen immer ein Teil die Postings liest. Und es ist faszinierend zu verfolgen, wie sich Dinge wellenartig durch das Netz fortpflanzen. Aber – und das mag ich an Facebook, Xing, Twitter und Co – im Gegensatz zu Google, sind es Menschen die das tun. Bei Google sorgt ein Programm für das Ranking von Artikeln und Inhalten und entscheidet damit darüber, ob sie gelesen werden oder nicht. Im Web 2.0 haben wir uns diese Macht zurückgeholt. Denn wir sagen „Gefällt mir“ oder „Wurscht“ (dieser Button, ein weißes X auf rotem Grund, steht rechts oben im Browserfenster bzw am Reiter).

Kundenkommunikation
Facebook hat einfach zu nutzende so genannte „Social Plug ins“ zur Verfügung gestellt. Wenn ich dann auf einer Website für Trekking-Bikes bei einem bestimmten Modell „Gefällt mir“ anklicke, wird das in meinem Facebook-Profil gepostet und ich hinterlasse mein Foto auf der Seite. Besuchen Freunde von mir auch diese Seite, sehen Sie, was mir gefällt, und natürlich sehen sie es auch in meinem Facebook Profil. Im Grunde ist das ähnlich, wie Marken am Polo zu zeigen.

Man kann das mögen oder auch nicht. Es stand einem 1998 auch frei das Internet zu mögen oder nicht. Aber es gibt einfach keine bessere und billigere Methode des Reference-Selling. Unternehmen, die schnell auf diese Technologie setzen werden massiv Vorteile lukrieren.

Neue Werbeformen
Es werden sich mit Web 2.0 auch neue Werbeformen entwickeln. Promis haben in Kombination mit Web 2.0 eine starke Position. Die Medienmacht eines Michael Niavarani ist wohl schon über die herkömmlicher Medien zu stellen. Sein Facebook-Posting vom 23.4. „...fällt grad nix ein ...“ hat ihm 594 „Gefällt mir“ und 448 Kommentare eingetragen. Quasi im Vorbeigehen. Wenn er also posten würde „.. gehe jetzt auf einen Kaffee zu McCoffee ...“ oder „... kaufe jetzt das Super-Produkt von Meine-Bank ...“ hätte das sicher genauso hohen Werbewert wie im TV, nur dass dabei ein Link wäre, auf den die Follower gleich klicken können.

Die Möglichkeiten, die sich aus all dem für Customer Relationship Management ergeben werden, sind gewaltig. Denn Unternehmen können dank neuer Facebook-Funktionen auch die Profile der Besucher auslesen und erfahren damit etwas über die Vorlieben dieser. Und können aber umgekehrt auch ins Profil zurückschreiben, dass ein User eben für bestimmte Bankprodukte empfänglich ist.

Natürlich gab es seitens der Datenschützer bereits einen Aufschrei und es ist auch sehr empfehlenswert das eigene Facebook-Profil entsprechend anzupassen um eben nicht alles zuzulassen. Facebook bietet dafür aber genügend Möglichkeiten mit sogar sehr feiner Granularität an.

Einige Unternehmen nutzen die Möglichkeiten von Web 2.0 direkt oder indirekt über Mitarbeiter schon sehr aktiv. Spätestens seit dem Facebook-Announcement sollte sich jedes Unternehmen Gedanken über eine genaue Policy und über eine Web-2.0-Governance machen, die für Mitarbeiter verbindlich zu sein hat. Wissen Sie wie viele von den zwei Millionen österreichischen Facebook-Usern in Ihrem Unternehmen tätig sind und was diese im sozialen Netz alles von Ihrem Unternehmen bekannt geben? Eben! Das ist jedoch nicht nur defensiv zu verstehen, sondern mehr noch in Richtung auf die Nutzung der Möglichkeiten.

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Mai 2010 / Peter F. Mayer

Den gesamten Artikel lesen Sie in der Mai-Ausgabe des pfm-Magazins.

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