Ums Prinzip Hoffnung steht es schlecht

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Ums Prinzip Hoffnung steht es schlecht

 
 

In Österreich Risikokapital zu bekommen war nie leicht und ist krisenbedingt noch schwerer geworden. Vor allem für technologielastige Projekte heißt es "bitte warten".

Soll noch einer sagen, in Österreich traut sich niemand über Risikokapitalfinanzierung drüber. Erst im Oktober wurde unter heimischer Ägide ein neuer Beteiligungsfonds gegründet. Die österreichisch-luxemburgische Beteiligungsgesellschaft SEE Private Equity Group (SEEPEG)  will damit ihre Finanzierungsaktivitäten im Technologiebereich ausbauen.

Zurückhaltung
An die  Börse ging der Fonds allerdings in Luxemburg, das Fundraising soll in Europa und den USA erfolgen. Wie viel österreichisches Kapital hineinfließen wird, bleibt abzuwarten. In den letzten Jahren hielt sich das Engagement heimischer Investoren in Grenzen. Ein Beispiel: Das junge Biotech-Unternehmen Nabriva, das vor rund drei Jahren aus einem von der Schließung bedrohten Wiener Forschungszentrum des Pharmariesen Novartis entstand. Nabriva übernahm die rund 50 Mitarbeiter und bestimmte Patentrechte und arbeitet seither an der Entwicklung neuer Antibiotika, die gegen resistente Keime wirken sollen. Finanziert wurde das Spin-off mit Venture Capital,  „beteiligt haben sich aber  nur ausländische Fonds“, so M&A-Experte Thomas Zottl von der Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer.

Die Zurückhaltung der Österreicher erklärt er mit steuerlichen Nachteilen bei solchen Investments: Verluste seien nicht abschreibbar, ein späterer steuerfreier Verkauf einer Beteiligung im Inland nicht möglich.

Immerhin beachtlich: Vor kurzem konnte eine neue Finanzierungsrunde für Nabriva erfolgreich abgeschlossen werden, und das, obwohl dort bisher „nur“ geforscht und noch kein Umsatz gemacht wird. Für Zottl ein Zeichen, dass der Markt für Risikokapital, auf dem „ein Jahr lang wirklich tote Hose war“, jetzt langsam wieder anspringt.

"Nicht völlig Abgehobenes"
Health Care gehört dabei zu den aussichtsreicheren Branchen, mit der Einschränkung dass bei der Entwicklung neuer Medikamente oft die lange Vorlaufzeit Investoren abschreckt. Nabriva kam zweifellos zugute, dass dort gerade Antibiotika entwickelt werden und nicht – so Zottl – „irgendetwas total Abgehobenes“. Denn für allzu technologielastige Vorhaben, bei denen das Prinzip Hoffnung dominiert, stehen nach Einschätzung des Experten die Chancen weiterhin schlecht. Da heißt es zweifellos auch für so manches kühnere Biotech-Projekt „bitte warten“.

Keine guten Karten auf dem Risikokapitalmarkt haben auch Software und Telekom. Die letztere Branche ist zwar nicht unbedingt zu abgehoben, hat aber ein anderes Manko: „Das Ziel ist bei solchen Unternehmen meist ein Börsengang. Und dafür ist jetzt nicht die beste Zeit“, so Roman Göd, Geschäftsführer von MP Corporate Finance.

Grün ist die Hoffnung
Ein leuchtender Stern am Hightech-Himmel ist dagegen Umwelttechnologie. „Green Tech“ und „Clean Tech“ boomen, trotz oder vielleicht sogar wegen der Krise. Hier macht sich auch die österreichisch-luxemburgische SEEPEG stark: Sie hält derzeit vier Portfoliounternehmen aus den Bereichen Kleinwasserkraft, Abfallverwertung, Biotreibstoffe der zweiten Generation und CO2-Verwertung – womit konkret die Umwandlung von CO2 aus Industrieabgasen in Biomasse gemeint ist. Die SEEPEG-Tochter SEE-O-TWO mit Sitz in Wien hat dafür ein System zur industriellen Zucht von Mikroalgen entwickelt.

Auch künftig will man bei SEEPEG – natürlich zwecks Risikostreuung – bewusst in unterschiedliche Technologien investieren, und zwar auch in Start-up- und Early-Stage-Unternehmen. Das tun nicht viele Private-Equity-Fonds – die meisten stecken ihr Geld lieber in Buyouts bereits etablierter Firmen.

Den Hype der "sauberen" Technologien beobachtet Göd allerdings mit einer gewissen Skepsis: "Irgendwann könnte das zur nächsten Blase werden", meint er. Zwar wird der Branche nicht die Arbeit ausgehen, "aber die hohen Bewertungen könnten bei Beteiligungen oder Übernahmen zum Problem werden". 

[...]

November 2009 / Christine Kary

Den gesamten Artikel lesen Sie in der November-Ausgabe des pfm-Magazins.

 

 

 

 

 

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