TV gegen Mobilfunk – Kampf um die Frequenzen

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Die vierte Generation im Mobilfunk ermöglicht sehr breitbandiges mobiles Internet. Wie rasch und wo es zum Einsatz kommt, hängt wesentlich von den verfügbaren Funkfrequenzen ab, vor allem von jenen bisher dem TV vorbehaltenen.

Die größte Herausforderung bei mobilem Breitband ist das Bereitstellen der entsprechenden Kapazitäten. Das Volumen, das etwa im Netz der Mobilkom transportiert wird, verdoppelt sich jedes Jahr. Da ist es nicht nur nötig an der Funkschnittstelle aufzurüsten, auch der Abtransport des Verkehrs von der Basisstation muss mit entsprechend breitbandigen Technologien gesichert sein – die Anbindung der Stationen via Glasfaser wird nötig.

Um die Kapazitäten auf der Funkseite aufzurüsten haben T-Mobile, Mobilkom und 3 sehr frühzeitig mit dem Rollout von HSPA+ begonnen. HSPA+ ist jetzt von allen Anbietern kommerziell mit entsprechenden Endgeräten verfügbar. Da es nicht nur um die erzielbaren Maximalgeschwindigkeiten geht, sondern um möglichst hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten für die wachsende Zahl an Kunden mit mobilem Breitband, wurden verkehrsintensive Gebiete quer durch Österreich mit HSPA+ ausgestattet. Diese Technologie ist derzeit kommerziell verfügbar, es gibt entsprechende Endgeräte und sie kann auf der bestehenden Infrastruktur betrieben werden. Die weiteren Entwicklungsschritte bei HSPA+ sind: Noch dieses Jahr werden Maximalgeschwindigkeiten bis 28 Mbit/s und im nächsten Jahr bis zu 42 Mbit/s verfügbar.

Der nächste Schritt
Am nächsten Schritt – der LTE (Long Term Evolution) genannten Technologie – arbeiten aber ebenfalls alle Mobilfunker intensiv. Die Mobilkom hat LTE im Vorjahr gezeigt, T-Mobile betreibt seit März ein Pilotprojekt im Raum Innsbruck und macht laut Christian Laqué, Bereichsleiter Networks bei T-Mobile, sehr positive Erfahrungen und 3 will seine Netze noch heuer mit LTE-kompatibler Technologie aufrüsten.

Der Knackpunkt für die Verfügbarkeit von LTE mit Geschwindigkeiten von zunächst bis zu 170 Mbit/s und später bis 300, ist aber der Zugriff auf Frequenzen. Der Frequenzbereich um 2,6 GHz wird in Österreich Anfang nächsten Jahres vergeben. Der Ausbau damit ist aber teuer, da die Funkwellen nur eine geringe Reichweite haben, eine schlechte Indoor-Coverage ergeben und daher viele teure Basisstationen errichtet werden müssten. Viel kostengünstiger wäre ein Ausbau im derzeit dem Rundfunk vorbehaltenen Frequenzband von 790 bis 862 MHz. Experten wie der CTO von Orange, Elmar Grasser, schätzen, dass damit die Kosten nur ein Zehntel bis ein Fünftel des 2,6 GHz Bereichs betragen. Deshalb sagt auch Mobilkom CTO Johann Pichler: "Ein Ausbau von LTE in ländlichen Gebieten ist praktisch nur im 800 MHz Bereich finanzierbar."

Versteigerung in Deutschland
In Deutschland hat Kanzlerin Merkel die Freigabe dieses Bereichs durchgesetzt und im Frühjahr 2010 werden zwei Mal 30 MHz versteigert. Dieser Vorgang ist als "Digitale Dividende" bekannt, denn die Frequenzen wurden durch die Umstellung von analogem TV auf DVB-T frei. Nach einer EU-Direktive soll diese Freigabe bis zum Jahr 2015 abgeschlossen sein. Wenn Österreich damit zu lange zuwartet, so warnen die Mobilfunker unisono, dann kommt der Wirtschaftsstandort gegenüber anderen Ländern ins Hintertreffen.

Umgekehrt warnen aber der ORF und Branchen wie die Kabelanbieter und die Kulturveranstalter vor einer Vergabe dieser Frequenzen an den Mobilfunk. Dadurch werde die Umrüstung terrestrischen Fernsehens auf DVB-T2, das HD-Qualität liefern kann, unmöglich oder erschwert. Mobilfunk auf der 800er-Frequenz stört auch die im Theater oder bei Veranstaltungen genützte Technik von Drahtlosmikros. Ebenso störanfällig sind die Set-Top-Boxen für das Kabelfernsehen.

Vodafone plant in Deutschland mit der Digitalen Dividende die "white Spots" im ländlichen Bereich abzudecken, denn dieses Frequenzband hat Reichweiten von 15 bis 20 Kilometer. Der weltweit größte Mobilfunker bietet dafür extrastarke Modems mit bis zu 50 Mbit/s und will später auf 170 Mbit/s aufrüsten. Damit entsteht natürlich für das Festnetz und Internet via Kabel massive Konkurrenz.

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Oktober 2009 / Peter F. Mayer

Den gesamten Artikel lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des pfm-Magazins.

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