Als mir kürzlich eine liebe Bekannte von ihren Design-Fantasien und ihrem neuen Retrosofa einer bekannten Möbelkette erzählte, musste ich zugegebenermaßen schmunzeln - leise und hoffentlich unbemerkt. Wer aufmerksam durch sein Leben schreitet, bemerkt, dass Design uns in allen möglichen Situationen umgibt und stark in unsere Lebens- und Arbeitswelten hinreicht, technologische oder kulturelle Innovationen inklusive.
„Ein Designer träumt von Dingen, die es (noch) nicht gibt, und fragt: Warum eigentlich nicht?“, formulierte in den 1990er Jahren der britische Designer Dick Powell im Kreativmekka London. Mittlerweile ist dieses gestalterische Umfeld auch in anderen europäischen Städten zu finden. Mitteleuropa gewann in den letzten Jahren nach Begrüßung der neuen EU-Mitgliedstaaten an Attraktivität für Kreative, Künstler und Erfinder. So weht auch in Wien ein angenehm frischer Wind, der mittlerweile allen Biedermeier-Staub weggeblasen hat.
Anno 2009 hinterlässt eine junge, freche Szene ihre Ideenspuren in der Neuauflage der mitteleuropäischen Design-City Wien. Mit frischem Erfindergeist verbindet diese Generation von Gestaltern Ästhetik mit intelligenter Funktionalität und mutigem Querblick. Gerade dieser Erfinderquerblick definiert Design weit über die Grenzen des in Wien so traditionsreichen Kunsthandwerks der vorletzten Jahrhundertwende hinaus.
Für bisher Abstinente gibt es viele gute Gründe diesen Lebensfaktor für sich zu entdecken. Denn Design ist mehr als Dekor. Einmal macht es seinen Besitzer oder dessen Umwelt schön und intelligent. Ein anderes Mal hilft es den Alltag zu bewältigen, zu entspannen, schafft Raum oder regt zu wahren Meisterleistungen an. Die folgende Produkte tun von allem ein bisschen.
"Freiraum für Städter"
Julia in Verona hätten sich keinen besseren wünschen können und selbst bis in die letzte Faser urbane Menschen verspüren doch gelegentlich die Sehnsucht nach ein paar Quadratmeter Freiraum im luftigen Außen. Daran geknüpft sind meist Vorstellungen eines gemütlichen Frühstücks auf dem eigenen Balkon, der Genuss eines liebevoll gepflegten Kräutergartens oder der Luxus eines kleinen Sonnenbads zwischendurch.
Der Architekt Clemens Mayer und sein Partner Rechtsanwalt Lukas Aigner waren wahrscheinlich von ähnlichen Vorstellungen zum Entwurf des „Easybalkon“ inspiriert. Nach ihrem Motto „Freiraum für Städter“ musste ein Weg gefunden werden, obligatorisch städtebaubehördliche Hürden möglichst sicher und unbürokratisch zu nehmen. Das gelang mit dem mittlerweile patentierten Hängebalkonsystem.
Easybalkon ist ein zeitlos gestalteter Balkon, der sich fast jeder bestehenden Architektur einfügt. Der Kauf beinhaltet auch gleich die Planung und Einreichung inklusive aller nötigen Behördengänge.
Was die Nachbarn dazu sagen könnten, ist dem Produkt und seinem Anbietern keineswegs gleichgültig. Das Behörden-Paket zum Easybalkon beinhaltet juristische Unterstützung und bietet zum Beispiel die Zustimmungseinholung von den unter Umständen irritierten Nachbarn. Eventuelle Unstimmigkeiten mit den Miteigentümern lassen sich nach erfolgreicher Montage des Balkons dann mit der Einladung ins neue Himmelreich zu einer guten Tasse Kaffee hoch über dem Passantensteig endgültig beilegen.
Haltungsnote 1+
Keine neue Software, wie der Produktname vermuten lässt, sondern ein geniales Möbelstück für Leseratten und Büchersammler versteckt sich hinter dem trockenen „Buchhalter 3“. Zwischen einem stylischen Interioraccessoire und einer Tischskulptur in aufregend knalligen Farben angesiedelt, hält der Buchhalter mehrere Taschenformate in seiner Standklammer und hilft sogar beim Lesen das aufgeschlagene Buch ganz ohne Muskelkraft offen zu halten.
Intelligent und als ästhetischer Hingucker für alle Schreibtische dieser Welt, wurde das Miniregal vom österreichischen Designertrio bkm entworfen. Mit ihren unterschiedlichen Zugängen verstehen sich die drei Produktdesigner Katharina Maria Bruckner, Herbert Klamminger und Stefan Moritsch als "Labor für Design", das bereits eine Reihe von erfolgreichen Produkten auf dem internationalen Markt lancierte.
Couture für Hände
Zu Großmutters Zeiten war ein eleganter Auftritt nicht ohne Hut und Handschuhe zu denken. Beide Accessoires rückten über die Jahre in die staubige Ecke der Kleiderschränke. Der Schick, das Material, das Spiel mit den Farben aus den alten Filmen und Modemagazinen blieben jedoch zwei jungen Kreativen in Erinnerung. Unter dem österreichischen Label „Hautnah“ entwerfen und vertreiben Nina Peter und Greogori Pirouzi exklusive Mode für Hände. Beide sind in ihrer Branche keine Unbekannten. Pirouzi arbeitete bereits mit einer langen Liste von internationalen Modemachern, seine Label-Partnerin Peter stammt vom traditionsreichen Modehaus "Handschuhpeter" in Wien ab.
Zusammen fanden beide über die Idee, den Handschuh neu zu interpretieren und seine Eleganz zurück ins Modeleben zu holen. Mittlerweile wurden aus den ursprünglichen Lederstulpen für Handgelenke mehr als 26 Handschuh- Modelle, die vom "Stinke Finger"- bis zum "Victory Zeichen"-Handschuh reichen.
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Februar 2009 / Pamela Bartar
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Februar-Ausgabe des pfm-Magazins.
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