Kennen Sie die Gemeinde Wolfsgraben? In dem 1500-Seelen-Dorf mitten im Wienerwald vermutet man wohl am wenigsten den Hauptsitz des weltweit drittgrößten IT-Automatisierungsunternehmens. Der Konzern mit Namen UC4 Software ist mit einem Kundenstamm in der ganzen Welt vernetzt und bedient mit seinen Softwarelösungen Globalplayer wie Allianz, Siemens oder T-Systems. Anno 1985 startete das Unternehmen, dessen Name UC4 sich aus einem Kunstwort zusammensetzt, als Softwareunternehmen im Großrechnerumfeld und kristallisierte sich im Laufe der Zeit zu einem Unternehmen für Job Scheduling und Applikationsautomatisierung heraus. Ein Großteil der 1600 Kunden ist rund um den Globus verteilt; in Österreich sind es an die 70; beim Nachbarn Deutschland zählt man rund 300 Kunden. Als wesentliches Standbein stellt sich für UC4 auch der Softwarevertrieb in den USA dar, hier hat das Unternehmen rund 800 Kunden; Großkonzerne wie Mattel, Disney, Texaco oder John Deere haben Lösungen des österreichischen Softwareanbieters implementiert. In Europa liegt der Kundenschwerpunkt neben dem deutschsprachigen Raum in den Benelux-Staaten und Großbritannien. UC4 beschäftigt rund 260 Mitarbeiter.
Der Helfer im Hintergrund
Nun ist UC4 nicht unbedingt ein Unternehmen, welches außerhalb seines Branchensegments allzu bekannt ist. Das liegt unter anderem daran, dass die dargebotenen Lösungen als Helferlein im Hintergrund fungieren: Haben Sie sich schon einmal überlegt, was passiert, beziehungsweise welche Prozesse in Gang gesetzt werden müssen, wenn Sie eine Auktion bei dem namhaften Online-Auktionshaus Ebay starten? UC4 ist maßgeblich daran beteiligt:
Viele Schritte, die in Rechenzentren oder bei Softwareprogrammen passieren, müssen automatisiert ablaufen und für eben diese Abläufe sorgt die Software von UC4. „Jeder, der schon einmal eine Auktion bei Ebay mitgemacht hat, hat unter anderem mit UC4 zu tun. Aber auch, wenn man seinen Steuerausgleich beim Bundesrechenzentrum macht. Es ist zugleich sehr abstrakt, sich eine Vorstellung darüber zu machen, was UC4 eigentlich macht“, erklärt Vincent Stüger, Chief Technical Officer, und veranschaulicht
die notwendigen Prozesse kurz am Beispiel eines Retailers: „Damit dieser eine Übersichtsliste über seinen Warenstand bekommt, holt er zunächst Daten aus den Filialen und spielt diese in sein System ein. Die Daten werden in mehreren Schritten verarbeitet, daraufhin die gewünschten Reports generiert und versandt. Jeder kommerzielle Ablauf, ob es sich nun um Übersichtslisten, Warenbestände oder eine Rechnungslegung handelt, kann automatisiert werden; dabei ist eine zeitgesteuerte oder ereignisgesteuerte Automation möglich.“ Die Verarbeitung von Prozessen in Echtzeit wird mit den rasch alternierenden Veränderungen, die die globale Vernetzung mit sich bringt, zunehmend wichtiger.
Die Software
Das Softwareprogramm mit dem Namen Workload Automation Suite stellt das Kernprodukt des Unternehmens dar. Zusätzliche Programme, UC4 Decision und UC4 Insight, die in die Lösung integriert werden können, stammen von der erst kürzlich übernommenen Firma Senactive und werden nunmehr in Verbindung mit dem Hauptprodukt offeriert. Dabei handelt es sich um ein Programm zur komplexen Ereignisverarbeitung und zur grafischen Analyse.
Vincent Stüger erklärt: "Viele der Applikationen sind bereits fertig – man lädt die Daten hoch und der Ablauf wird durchgeführt. Zwischenapplikationen müssen dann integriert werden, wenn zwischen den einzelnen Schritten noch weitere Prozessabläufe benötigt werden; wie zum Beispiel bei einem Warenwirtschaftssystem oder einer Lösung, die viel mit Massendatenverwaltung zu tun hat wie einer Rechnungserstellung." Es sei jedoch auch möglich, in eine bestehende Software einzugreifen und bestimmte Abläufe zu automatisieren.
Nur für Große
Die Lösungen, die UC4 anbietet, sind nur für die großen Unternehmen gedacht, die „einige tausend Mitarbeiter und um die 100 Millionen Umsatz“ jährlich machen, erklärt Stüger. In Österreich zählen dazu unter anderem der ORF, T-Mobile, Telekom Austria, OMV, die Wiener Stadtwerke, die AUA sowie das Bundesrechenzentrum. In Deutschland haben große Banken eine Lösung des Unternehmens eingerichtet. Wobei „100 Millionen Umsatz, das sind eher die Kleineren“, wie Stüger konstatiert. Mit Ende des Fiskaljahres im vergangenen Mai hat das Unternehmen knapp 50 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Für das aktuelle Geschäftsjahr zeigt man sich optimistisch und strebt einen Umsatz von 52 Millionen Euro an, was immerhin einem Plus von vier Prozent entspräche.
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September 2009 / Vera Bauer
Den gesamten Artikel lesen Sie in der September-Ausgabe des pfm-Magazins.
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