Die noch immer laufende Diskussion über die Festnetzinfrastruktur muss jeden Experten überraschen und frustrieren. Der so genannte Festnetzgipfel vom Regulator Mitte April dieses Jahres endete im Grunde ergebnislos und damit hinken Festnetz- und Breitbandausbau weiter hinter den Anforderungen an eine Kommunikationsinfrastruktur für die Entwicklung zur Wissensgesellschaft her. Das ist genau das gleiche Dilemma, das es mit den vielen Initiativen der Vergangenheit gegeben hat, wie etwa die Arge Breitband, die Internetoffensive Österreich und der IKT-Masterplan, die letztendlich gute Ideen beinhaltet haben, aber in der Umsetzung grandios gescheitert sind.
Breitband und insbesondere der Einsatz von Glasfasertechnologie ist und bleibt, wie dies immer wieder festgestellt wurde, die essenzielle Infrastruktur für eine zukunftsträchtige Wirtschaftsentwicklung in Österreich. In vielen unserer Nachbarländer und der EU werden intensive Anstrengungen unternommen um die Kommunikation und die Festnetzinfrastruktur zu modernisieren.
Falsche Weichenstellungen
Warum passiert dies in Österreich nicht? Ein Blick in die Vergangenheit zeigt uns, dass einige wichtige Weichenstellungen in die falsche Richtung vorgenommen wurden. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass die damaligen regulatorischen Rahmenbedingungen ausschließlich auf eine Reduktion des Preisniveaus ohne Berücksichtigung nachhaltiger Investitionsmöglichkeiten ausgerichtet waren. In den ersten Stunden der Marktliberalisierung wurden zwar viele Festnetz-Lizenzen vergeben – eine absurde Zahl von über 100 – und zusätzlich gab es für ein kleines Land wie Österreich eine relativ hohe Anzahl von GSM-Lizenzen. Mit Marken wie B.Free oder Yess hatten wir zeitweilig an die zehn Mobilfunker – ebenso absurd wie die Zahl der Festnetz-Lizenzen.
Als Hilfestellung für die anfängliche Entwicklung der Mobilkommunikation wurde die asymmetrische Terminierung vom Regulator eingeführt. Das heißt, die Mobilfunker bekamen für Anrufe in ihr Netz mehr als das Zehnfache wie das Festnetz für Anrufe vom Mobilfunk. In Summe addierte sich diese Quersubvention auf wahrscheinlich mehr als eine Milliarde Euro. Ein Betrag, der für den Aufbau eines österreichweiten Glasfasernetzes durchaus reichen würde.
Österreichische Besonderheiten
Eine weitere Sondersituation des österreichischen Marktes war die Tatsache, dass einer der Mobilfunker, nämlich tele.ring, durch den Ausstieg des ursprünglichen Eigentümers Mannesmann ein Operator mit komplett abgeschriebenen Investitionen war und daher nahezu schuldenfrei mit einer konkurrenzlosen Kostenstruktur die Preise völlig ungeniert nach unten drücken konnte. Das war der Startschuss zum ruinösen Preiskampf in der Telekom-Branche in Österreich wie er weltweit in keinem anderen Markt stattgefunden hat.
Die positive Seite sind natürlich die extrem hohe Mobilfunkpenetration und das absolut niedrige Preisniveau – positiv für die Kunden. Die negative Seite aber ist, dass das der gesamten Industrie und vor allem dem Festnetz den Cashflow und die Mittel für den nötigen Ausbau und Modernisierung der Infrastruktur entzogen hat. Die nachhaltige Verlagerung der Sprachminuten aus dem Festnetz in die Mobilkommunikation (auch diese Situation ist ein Sonderfall in Europa) ist der zweite Faktor der den Cashflow des Festnetzes laufend reduziert hat. Gleichzeitig hatte dies ironischerweise einen fast vollständigen Kahlschlag bei den alternativen Festnetzanbietern zur Folge.
Modernisierung nötig
Nun stellt sich die Frage: Brauchen wir die Modernisierung des Festnetzes angesichts von neuen Technologien im Mobilfunk wie HSDPA, LTE und ähnlichem? Das alles kann nichts daran ändern, dass das Festnetz immer das Rückgrat der Kommunikation bleiben wird. Auch die mobile Datenkommunikation braucht ab der Antenne ein hochleistungsfähiges Festnetz, das den Sprach- und Datenverkehr weiter transportieren kann. Und je mehr Kunden das mobile Internet bei immer höheren Bandbreiten nützen, desto engmaschiger und leistungsfähiger muss auch das zu Grunde liegende Festnetz sein.
Aber das ist noch nicht alles. Neue Technologien wie Cloud Computing, Virtualisierung der Speicher, IP-TV und die Zunahme hoch auflösenden Video- und Fotomaterials im Internet, steigern sowohl das Volumen als auch den Bandbreitenbedarf im Internet laufend fast exponentiell. Demnächst wird die Situation die sein, dass Österreich eine „Schmalbandinsel“ im europäischen Breitbandmeer ist. Die breitbandigen Angebote von 50, 100 und mehr Megabit pro Sekunde in allen anderen entwickelten Ländern führen unweigerlich dazu, dass immer mehr Applikationen und Inhalte (vor allem im Videobereich) dafür entstehen werden. Die gesamte Festnetzinfrastruktur wird zukünftig immer mehr zu einem entscheidenden Parameter bei der Entwicklung einer modernen Standortpolitik.
Lösungswege
Gibt es eine Lösung des Dilemmas? Eine Teilhilfe würde die rasche Abschaffung der asymmetrischen Terminierungsentgelte bedeuten. Damit würde ein nicht unwesentlicher Cash flow bei den Festnetzanbietern bleiben, der derzeit nach wie vor den Mobilfunk subventioniert. Das ist angesichts des nur mehr knapp über 20 Prozent liegenden Anteils des Festnetzes an den Sprachminuten ohnehin eine nur mehr als grotesk zu bezeichnende Situation. Es wäre vielmehr Zeit darüber nachzudenken, die Asymmetrie zugunsten des Festnetzes umzukehren und zwar mit dem Argument, dass der Ausbau einer zeitgemäßen Glasfaserinfrastruktur angegangen und finanziert werden muss.
Gibt es Modelle in Europa, die funktionieren? In Frankreich arbeiten alle alternativen Netzbetreiber gemeinsam mit der France Telecom an einem gemeinsamen Ausbau, wobei jeder Betreiber für eine bestimmte Region zuständig ist. Dieses Modell ist auf Österreich offenbar nicht anwendbar, da es keine finanzkräftigen Festnetzbetreiber außer der Telekom Austria gibt. Diese ist jedoch auf sich allein gestellt wegen ihrer Verpflichtungen gegenüber dem Kapitalmarkt nicht in der Lage derart hohe Investitionen, die sich erst über einen Zeitraum von bis zehn Jahren rechnen, durchzuführen. Wobei wiederum diese Situation Österreich-typisch ist und nur durch eine radikale Änderung des Regulierungsregimes der Terminierungsentgelte geändert werden könnte.
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Mai 2009 / Rudolf Fischer
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Mai-Ausgabe des pfm-Magazins.
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Suchbegriffe: Schmalbandinsel im Breitbandmeer