Die Zeiten sind schwierig. Branchenriesen, die aussichtsreiche Startups kurzerhand mit Mann und Maus einkaufen, sind selten geworden. Viele Jungunternehmer schaffen es gar nicht erst zum aussichtsreichen Startup. Seit die Rezession tiefe Spuren im Silicon Valley hinterlassen hat, sind US-amerikanische Risikokapitalgeber vorsichtig. In der ersten Hälfte des Jahres sanken Venture Capital-Finanzierungen auf das Niveau der 90er-Jahre. PricewaterhouseCoopers rechnet in seinem MoneyTree-Bericht vor, dass im ersten Quartal 2009 rund drei Milliarden Dollar weniger in die Töpfe der Risikokapitalgeber flossen als im Jahr davor.
Aufgelockert wird die Stimmung nur von Erfolgsberichten einzelner Überflieger. Dem Microbloggingdienst Twitter etwa gelang es zuletzt eine weitere Finanzierungsrunde abzuschließen, nach der dem Startup nun ein Unternehmenswert von einer stolzen Milliarde Dollar nachgesagt wird. Dass die Erfinder der 140-Zeichen langen Mini-Blogeinträge weiterhin kaum etwas darüber verraten, wie bei ihrem Geschäftsmodell Geld herausschauen soll, scheint kaum zu stören. Mit über 50 Millionen Nutzern und auch weiterhin explodierenden Userzahlen rückt Twitter in die Nähe eines kulturellen Phänomens. Dabei vergisst die Finanzbranche mitunter auf ihre Vorsicht.
Zurück zu den Anfängen
Vor allem im Software- und Internetbereich bleibt die Twitter-Story eine von wenigen Ausnahmen. Entsprechend besinnen sich aufstrebende Unternehmensgründer auf Strategien, die vor der ersten Dotcom-Blase Erfolg versprachen: Sie fragen bei Stiftungen und Angel-Investoren um Geld an. Glück hatte dabei zuletzt Jirbo.com, eine kalifornische Software-Schmiede, die Spiele für das iPhone entwickelt und derzeit 35 Applikationen in Apples App Store anbietet. Die Investoren hinter Pasadena Angel befanden, dass das Startup eine Finanzierung von fünf Millionen Dollar wert sei.
Dan Olsen, Gründer des Software-Startups Yourversion, hatte mit seinem Businessplan weniger Glück. Weil er sich kein Risikokapital sichern konnte, greift er auf Bewährtes zurück. Ganz im Geiste der Garagenunternehmen programmiert er am Wochenende mit Freunden. Als Entlohnung spendiert Olsen, dessen Unternehmen eine Suchmaschine für soziale Netzwerke anbietet, schließlich Grillfleisch und Bier.
Übersättigung und Neuordnung
Die gute Nachricht ist, dass der Tiefpunkt bereits überwunden sein könnte. Im Quartal von April bis Juni 2009 gaben Venture-Kapitalisten in den USA bereits wieder 3,7 Milliarden Dollar und damit ein gutes Sechstel mehr aus als drei Monate zuvor. Als positives Zeichen gilt zudem, dass wieder mehr Geld in so genannte Seed-Investitionen fließt, Frühfinanzierungen, die als risikoreich gelten.
Dennoch sind sich zahlreiche Branchenbeobachter einig, dass auf Seite der Risikokapitalgeber eine Marktbereinigung ansteht. Die veränderte Gewinnsituation dürfte in den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren eine ganze Reihe an Financiers aus dem Geschäft treiben. Schuld daran sind unter anderem die Dimensionen, die das Geschäft vor der Wirtschaftskrise erreichte. So wurden 1990 in den USA lediglich 2,7 Milliarden Dollar an Risikokapital investiert. Zehn Jahre später, auf der Höhe des Dotcom-Booms, waren es über 100 Milliarden Dollar. Die riesigen Investitionen lassen den Kapitalgebern nur zwei Möglichkeiten: Das Geld muss entweder über Börsengänge oder durch Übernahmen hereinkommen. Beides kam zuletzt nur äußerst selten vor. Im ersten Quartal dieses Jahres gab es in den USA überhaupt nur zwei Börsengänge.
Noch vor der Wirtschaftskrise hatte das viele Geld der Venture-Kapitalisten für eine leichte Übersättigung des Marktes gesorgt. Viele Jungunternehmen bekamen mehr Geld, als sie für die Realisierung ihrer Projekte tatsächlich benötigten.
Geld ist inzwischen längst nicht mehr im Überfluss vorhanden, auch weil ein großer Teil des Risikokapitals aus den Stiftungen reicher Privatuniversitäten stammt und diese seit Beginn der Krise letzten Herbst bis zu einem Drittel an Wert verloren haben. In Summe könnte sich zwar eine reinigende Wirkung für den Markt ergeben. Nichtsdestotrotz dürfte eine solche Entwicklung zunächst schmerzhaft sein. Alan Patricof, Gründer von Apax Partner, einer der weltweit größten privaten Beteiligungsfirmen, zeigte sich zuletzt überzeugt, dass die Branche wieder in kleinerem Rahmen denken müsse. Die Rechnung dahinter: Kleinere Finanztöpfe bedeuten kleinere Investments, die wiederum für ein verringertes Risiko stehen.
Chipentwickler am Trockenen
Mit "klein, aber fein" lassen sich freilich nicht alle Geschäftsideen umsetzen. Technologien der Halbleiterbranche etwa benötigen zumeist lange Entwicklungszeiten und bedeuten ein hohes Risiko. Dass 100 Millionen Dollar für die Produktentwicklung verbrannt werden, ist keine Seltenheit. Einfacher wird es oft auch bei der Markteinführung nicht, zumal es den vielen Unternehmen nicht erspart bleibt gegen Marktriesen wie zum Beispiel Intel anzutreten.
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Oktober 2009 / Alexandra Riegler
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des pfm-Magazins.
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