Open Source am Smartphone

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Smartphones haben ein Betriebssystem, das genauso bestimmend wie das am PC oder Server ist. Open Source ist neuerdings am Vormarsch gegenüber proprietären Systemen.

Der Streit in der Software-Branche zwischen Open Source und proprietärer Software ist alt. Die Open Source Community ist riesengroß, Millionen von Entwicklern tragen dazu bei, denn der Quellcode ist öffentlich zugänglich. Der bekannteste Vertreter ist das Betriebssystem Linux. Vor allem bei den Kosten gibt es ein fast schon missionarisch ausgetragenes Pro und Kontra – Open Source ist grundsätzlich kostenlos, aber, so wenden insbesondere die Gegner ein, der eigene Aufwand ist dafür umso höher. In der Welt des Mobilfunks spielt das aber keine Rolle. Bei Open Source –  der bekannteste Vertreter ist Googles Android – geht es vor allem um die Community der Anwendungsentwickler, für die Open Source nach Meinung der Handy-Hersteller Vorteile bringen soll.

Bisher kein Erfolg
Laut dem führenden Berater Arthur D. Little wies Android anfänglich gute Verkaufszahlen in den USA auf, zeigt nun aber ein etwas schlechteres Bild. Mangels zentraler Abnahme macht jeder Handy-
Erzeuger Anpassungen an das System, resultierend in einer enormen Fragmentierung des Betriebssystems und laufend veränderten Schnittstellen. Daher wird das Google Nexus One auch als Eingeständnis des Scheiterns gesehen. Zahlreiche Akteure sagen, dass Android 2.0 oder sogar 3.0 erst wirklich Traktion bringen wird. Auch wenn Google keine Lizenzgebühr verlangt, gilt trotzdem „there is no such thing as free lunch“ da der Anpassungsaufwand für Handset Vendors und Betreiber höher ist als etwa bei Symbian.

Neue Player
Die beiden größten Handyproduzenten setzen jedoch voll auf Open Source – und zwar jeweils auf eigene Entwicklungen. So hat Nokia das weltweit meistverbreitete Betriebssystem Symbian in die Open Source Welt überstellt. Alexander Oswald, Marketing Manager Nokia Alps South East Europe beschreibt die Strategie von Nokia: „Aufgrund der hohen Verbreitung und der Entscheidung, aus Symbian OS eine Open-Source-Software zu machen, gilt das Smartphone-Betriebssystem als sehr zukunftssicher. Damit wird Open Source eine stark zunehmende Bedeutung in den nächsten Jahren haben. Mit Open Source haben Entwickler nun die Möglichkeit, praktisch grenzenlos ihre Ideen umzusetzen und damit ihrerseits zur Weiterentwicklung beizutragen. Nokia wird Symbian in seinem Portfolio breiter als bisher einsetzen und so die globale Verbreitung nochmals deutlich vergrößern.“

Auch Samsung öffnet den Quellcode der Eigenentwicklung Bada (koreanisch für Ozean). Den Hintergrund erklärt Paul Irbinger, Head of Product Marketing Telecommunication bei Samsung Österreich: „Samsung ist derart von der Wichtigkeit von Open Source überzeugt, dass wir unser eigenes Betriebssystem Bada für Entwickler geöffnet haben. Bei Bada stehen insbesonders die einfache Entwicklung von Anwendungen bzw. Integration von Diensten im Vordergrund – und nicht nur Kunden, sondern auch Entwickler und Netzbetreiber sollen davon profitieren. Wichtig bei alldem ist unser Bestreben, weiterhin die Netzbetreiber bei ihren Services zu unterstützen und nicht gegen sie zu konkurrieren.“

Konvergenz
Neben Windows Mobile, das sehr eng in die Microsoft Unternehmens-IT-Plattformen eingebunden ist, spielt Open Source aber auch eine wichtige Rolle bei der Integration von verschiedenen Plattformen. Wieder Paul Irbinger: „Wir verfolgen die Multi-Plattform Strategie. Eine weitere Open Source Plattform, welche wir im Laufe des Jahres einführen ist LiMo (Linux basierendes Mobile OS). In Deutschland beispielweise hat Vodafone LiMo mit ,Vodafone 360‘ bereits mit den Samsung Geräten H1 und M1 gelauncht. Auch hier war Samsung gemeinsam mit NEC, Panasonic, Orange, Vodafone und anderen einer der Mitgründer. LiMo ist die ideale Plattform für die mobile Konvergenz von Handys, Netbooks oder eBook Readern.“

Die Sicht der Mobilfunker
Da ein großer Teil der Handys über die Mobilfunkbetreiber verkauft wird, üben diese entscheidenden Einfluss auf die Verbreitung von Betriebssystemen aus. T-Mobile setzt mit dem Slogan „Wir sind Smartphone“ massiv auf diese Gerätekategorie. Als großen Nachteil von proprietären Systemen sieht T-Mobile die Entwicklung von Diensten oder Services, da in der Regel proprietäre Systeme geschlossene Systeme sind und man somit von dem jeweiligen Mobilgerätehersteller abhängig ist. In der neuen Welt des Web 2.0 / Mobile 2.0 verfolgen die meisten Mobilgerätehersteller und Mobilfunkbetreiber ähnliche Ziele und wollen sich mit neuen Diensten differenzieren. Daher ist die Einführung von neuen Diensten auf proprietären Plattformen nur bedingt und in Kooperation zwischen Mobilegerätehersteller und Mobilfunkbetreiber möglich. Das bedeutet, dass die Differenzierung in den Services als Kompromissentwicklung realisiert wird, oder wie im Falle vom iPhone die Differenzierung nur bedingt durch Applikationen erzielt werden kann. Ein weiterer entscheidender Nachteil der proprietären Systeme ist die Wiederverwertbarkeit der entwickelten Software der jeweiligen Mobilgerätetypen. Somit liegen für T-Mobile auch auf internationaler Ebene die Vorteile der Open Source Plattformen klar auf der Hand: Sie ermöglichen Unabhängigkeit von den Mobilgeräteherstellern und Wiederverwertbarkeit der Software für eine Vielzahl an Mobilegeräten, die auf der gleichen Plattform basieren.

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März 2010 / Peter F. Mayer

Den gesamten Artikel lesen Sie in der März-Ausgabe des pfm-Magazins.

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