Am Anfang war die Fahrkarte…, und wenn‘s hoch herging, ein handgeschriebener Fahrschein auf Papier. Dann kamen Internet- und Handy-Ticketing, Automaten und Schaffner-Terminals. Nach und nach entstanden bei den ÖBB immer mehr Anwendungen, die zwar alle dem Zweck dienten, Fahrkarten zu verkaufen, die aber sonst recht wenig miteinander zu tun hatten.
Das soll in den nächsten Jahren anders werden. Unter dem Schlagwort „ticket4all“ werden etwa 50 Personen in den nächsten fünf Jahren daran arbeiten, Auskunft, Reservierung und Buchung auf eine gemeinsame Basis zu stellen. Das System soll so aufgebaut werden, dass es jederzeit erweiterbar ist und auch neue Verkaufswege mit einbinden kann.
ticket4all
Das Projekt managen wird Gerhard Weissinger von der ÖBB Personenverkehr AG. Der gelernte Betriebswirt hat viele Jahre im Consulting verbracht. 2006 wechselte Weissinger zu den ÖBB, um das neue Ticket- und Auskunftssystem aufzusetzen. Er sammelte ein Team um sich, das zunächst die Grundlagen ausarbeitete. Das Ergebnis war die Studie „ticket4all“, ein Forschungsförderungsprojekt zur Umsetzung barrierefreien Online Ticketing, das Auskunft über die Idee hinter dem neuen System gibt. Ende Juni 2009 wurde dann T-Systems Austria ins Boot geholt, die konkrete Programmierarbeit leisten wird. „Wir dürfen uns beim Fahrkartenverkauf keinen Fehler leisten, deshalb zuerst die Forschung mit Unterstützung des Verkehrsministeriums und der Forschungsförderungsgesellschaft“, sagt Weissinger.
Neue Vertriebskanäle
Die älteste heute noch in Betrieb befindliche Anwendung im Bereich Ticketing stammt aus dem Jahr 1992. Im Lauf der Jahre sind immer neue Vertriebskanäle dazu gekommen. Heute kann man einen Fahrschein im Internet kaufen, am Bahnhofsschalter, am Ticket-Automaten, beim Schaffner im Zug, im Reisebüro und im ÖBB-eigenen Callcenter. Nach und nach sind diese Anwendungen dazugebaut worden. Oft genug sind sie nur unzureichend integriert, sind sozusagen "aus jedem Dorf ein Hund". Projektleiter Weissinger sagt: „Es ist zum Beispiel schwierig, Vetriebskanalübergänge zu realisieren, zum Beispiel ein im Callcenter bestelltes Ticket beim Automaten am Bahnhof auszudrucken, was erst kürzlich im alten System realisiert wurde."
Das soll jetzt anders werden. Jeder Vertriebskanal wird in Zukunft das gleiche Trägersystem verwenden. Dieses wird so aufgebaut, dass es leicht an neu hinzukommende Vertriebswege angepasst werden kann. Weissinger: "Wir halten es für möglich, dass Ticketkauf per NFC in ein paar Jahren gefragt sein wird und bereiten uns heute schon darauf vor." Mit Hilfe von NFC, kurz für "near field communication", soll man mittels Handy zahlen können, indem man es nahe an ein Zahlungsterminal hält und gleich auf dem Handy sein papierloses Ticket erhält.
Quantensprung
2009 wurde als erster Teil von "ticket4all" ein grafisches Sitzplatz-Reservierungssystem für den Railjet freigegeben. Ein Quantensprung, denn man kann eine Draufsicht auf einen Waggon sehen, mit schon belegten und noch freien Plätzen. Ein Klick mit der Maus auf einen freien Platz reserviert diesen. Sogar die Fahrtrichtung des Waggons ist angegeben. Was für ein Unterschied zu heute, wo oft die bequemsten Plätze in der Wagenmitte mit Tisch und Stromanschluss noch frei sind, während man beim Reservieren per oebb.at einen Sitz gegen die Fahrtrichtung im ersten Abteil bekommen hat, also direkt über den Rädern—der schlechteste Platz im ganzen Wagen. Das mag zwar im EC zwischen Wien und Linz erträglich sein, aber bei einer Fahrt im Nachtzug macht es den Unterschied zwischen frisch angekommen oder wie gerädert… In Zukunft wird dieses Service auch für den ICE und dann für alle Fernverkehrszüge verfügbar sein.
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Oktober 2009 / Josef Broukal
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des pfm-Magazins.
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