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Netz mit Löchern
Als am Christtag 2009 ein Passagier eines Northwest-Airlines-Fluges kurz vor der Landung in Detroit Sprengstoff zur Explosion bringen will, der in seiner Unterwäsche versteckt ist, stürzt sich ein Mitreisender geistesgegenwärtig auf ihn und verhindert eine Katastrophe. Noch am selben Tag erhöhen Flughäfen weltweit ihre Sicherheitsstufen. Am Flughafen München Franz Josef Strauß, einem wichtigen Hub für Star-Alliance-Flüge in die USA, werden Sicherheitsvorkehrungen seither noch penibler durchgeführt. Auf einer Strecke von 20 Metern gibt es zwei Passkontrollen. Die doppelten Kontrollen des Handgepäcks für Transatlantikflüge gibt es bereits seit Inbetriebnahme des Terminals im Jahr 2003. Nach Durchschreiten der Metalldetektoren stehen zusätzliche Gepäckinspektionen an. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass irgendwo ein Terminal abgeriegelt oder ein Flug umgeleitet würde. Strapaze Flugreise Aktion und Reaktion Er reiste trotz der langen Strecke nur mit Handgepäck und zu guter Letzt schien sein Name auch auf einer Liste mit Terrorverdächtigen auf. Für viele Sachkundige gilt dies als Beweis, dass ein engmaschiges Sicherheitssystem nicht automatisch mit höherer Sicherheit gleichzusetzen ist. Kritisiert wird von Experten wie dem US-Amerikaner Bruce Schneier, dass neue Maßnahmen stets nur direkte Reaktionen auf bestimmte Bedrohungen sind. Damit sind Behörden den Bedrohungen nicht nur hinterher. Mit dem Adressieren eines einzigen Szenarios, so die Kritik, wird Scheinsicherheit verbreitet. So müssen Reisende bei manchen Sicherheitschecks die Schuhe erst ausziehen, seit der „Schuhbomber“ Richard Reid Sprengstoff in seinen Turnschuhen versteckte. Ebenso ist die Mitnahme von Flüssigkeiten an Bord erst seit den vereitelten Flüssigsprengstoffattacken beschränkt. Nach Ansicht Schneiers konzentrieren sich viele Sicherheitsteams überhaupt auf das Falsche. Anstatt auf Flughäfen Schadensbegrenzung zu betreiben, indem nach Flüssigkeiten gefahndet oder Handgepäcksgriffe nach Sprengstoffspuren untersucht werden, sollte das Geld für die Aufrüstung der Nachrichtendienste genutzt werden. Als besonders nutzlos gelten Flugverbotslisten. So werden derzeit zwar die Namen von Reisenden mit jenen auf den No-Fly-Listen abgeglichen, Geburtsdaten bleiben dabei aber ausgespart. Haarsträubende Mängel Weil der Fokus der meisten Sicherheitsbediensteten auf Flughäfen auf bestimmte Objekte ausgerichtet ist, wird Offensichtliches allzu oft übersehen. Auf seinen Recherchereisen hatte Goldberg unter anderem Folgendes im Handgepäck mit dabei: Al-Qaida-T-Shirts, Dschihad-Fahnen, Videokassetten der Hisbollah und eine aufblasbare Puppe, die Yassir Arafat darstellen soll. Hinzu kommt eine bunte Mischung aus Taschen- und Teppichmessern, Nagelzwickern, Streichhölzern, Seilen und Staubmasken. Ein Nagelzwicker wurde bei einer Durchsuchung ausfindig gemacht, den Rest nahm Goldberg mit an Bord. Eine Sicherheitsbeamtin faltete zwar auch einmal eine Hisbollah-Fahne aus seinem Handgepäck, händigte ihm aber kurz darauf wieder seine Tasche aus. Die 100-Milliliter-Flüssigkeitsregelung führte Goldberg schließlich ad absurdum, indem er sich eine Art Schärpe aus Neopren um den Bauch band – ein Produkt, das in den USA unter dem Namen „Beerbelly“ (Bierbauch) am Markt ist, um Alkohol unter anderem in Sportveranstaltungen zu schmuggeln. Der künstliche Bierbauch fasst bis zu 2,4 Liter Flüssigkeit. Am Sicherheitscheck blieb er unentdeckt. Ausgenommen von der Flüssigkeitsregelung sind Medikamente, darunter auch Reinigungslösungen für Kontaktlinsen. Auf die Frage, warum er zwei Flaschen á 0,3 Liter Linsenreinigungslösung mit an Bord nehme, quittierte Schneier mit der Antwort: „zwei Augen“. Der Sicherheitsmann ließ ihn gewähren. [...] März 2010 / Alexandra Riegler Den gesamten Artikel lesen Sie in der März-Ausgabe des pfm-Magazins. © Telekom-Presse
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