Noch ist das Jahr 2008 nicht ganz um, aber so viel steht schon fest: Die meisten Anleger werden es in keiner guten Erinnerung behalten. Was als US-Subprime-Krise begann, weitete sich zur internationalen Bankenkrise aus und schlug letztlich auf die Realwirtschaft durch. Aktienkurse, Indizes und Investmentfonds stürzten reihenweise ab, und wer Geld in solchen Werten veranlagt hat und es bislang schaffte, seine Verluste im einstelligen Prozentbereich zu halten, darf das schon als Erfolg werten.
Leopold Seiler, Geschäftsführer der Wiener Vermögensverwaltung Seiler Asset Management, behauptet trotzdem felsenfest: "Es gibt keine globale Finanzkrise." Und er hat recht damit. Denn die betroffenen Märkte sind in Wahrheit alles andere als global. Gut zwei Drittel der Weltbevölkerung werden davon nicht im Mindesten berührt, weil sie sich außerhalb dieses Systems bewegen.
Außerhalb des Systems
Für eine Näherin in Bangladesh, einen Straßenhändler in Burkina Faso oder einen Bauern in Moldawien ändert sich nicht das Geringste, wenn der Dow Jones-Index und der EuroSTOXX in den Keller rasseln. Und auch der Beinahe-Kollaps des Bankensystems lässt sie völlig kalt, denn mit "normalen" Kreditinstituten würden sie ohnehin nie ins Geschäft kommen. Sie haben weder Ersparnisse noch Chancen auf einen herkömmlichen Kredit, weil sie nichts besitzen und deshalb auch keine Sicherheiten bieten können. Dazu kommen oft noch andere, nicht vorhersehbare Eintrittsbarrieren: "In afrikanischen Ländern gibt es die Vorschrift, dass man eine Bank nicht ohne Schuhe betreten darf", erzählt Seiler. Die meisten würden also nicht einmal am Türsteher eines traditionellen Kreditinstituts vorbeikommen, in Ermangelung der vorgeschriebenen Fußbekleidung...
Krisensicheres Investment mit zweifachem Nutzen
Genau diese Menschen sind die Zielgruppe sogenannter Mikrofinanz-Institute. Sie erhalten dort Klein- und Kleinstkredite, die ihnen die Chance eröffnen, der Armut zu entkommen. Was sich sichtlich auch für die Kreditgeber lohnt: Einschlägige Fonds, die den Mikrofinanz-Instituten Geld zur Verfügung stellen, bringen durchwegs positive Renditen. Rund fünf Prozent werden es heuer beim in Wien gemanagten "Vision Microfinance" sein. "Allein im Oktober betrug die Wertschöpfung 0,77 Prozent", so Seiler.
Wie ist das möglich - in Zeiten wie diesen? Zunächst einmal liegt es daran, dass dieser Bereich von der Entwicklung der "großen" Märkte vollkommen abgekoppelt ist. Außerdem stecken Mikrofinanz-Institute ihr Geld nicht in irgendwelche "tollen Anlagetrends", die sehr leicht zur Blase werden können, siehe New-Economy-Bubble und US-Immobilienkrise. Es werden auch keine "visionären Geschäftsideen" finanziert, von denen niemand sagen kann, ob sie aufgehen werden oder nicht. Das Geld fließt in bodenständige Betriebe, die etwas erzeugen, wonach Bedarf besteht. Die Näherin bekommt Geld für eine Nähmaschine, der Bauer für einen neuen, besseren Pflug. Beide machen dann in ihrer unmittelbaren Umgebung mehr Umsatz, egal, wie die Weltkonjunktur gerade läuft. Sie können sich so aus der Armutsfalle befreien und werden es höchstwahrscheinlich schaffen, den Kredit samt Zinsen zurückzuzahlen.
Strenge Auslese
Gute Mikrofinanz-Institute agieren dabei nicht aus der Ferne, sondern sind vor Ort tätig. Sie überprüfen ihre potenziellen Kunden sehr genau und lassen sie auch während der Kreditlaufzeit nicht aus den Augen.
Die Refinanzierer wiederum sieben die lokalen Institute, auf die sie ihre Mittel verteilen. "Von den rund 70.000, die es gibt, erfüllen nur etwa 4000 unsere Kriterien. Tatsächlich unterstützt werden 43 Institute in 17 Ländern", sagt Seiler.
Bei der Auswahl helfen Bewertungen durch spezielle Ratingagenturen. Nun hat sich ja die Rating-Branche zuletzt nicht gerade mit Ruhm bekleckert – ihre zum Teil viel zu positiven Bonitätsbeurteilungen trugen einiges zur Finanz- und Bankenkrise bei. Ratings im Mikrofinanz-Bereich laufen aber etwas anders als in der "großen Finanzwelt": Sie werden von den potenziellen Investoren bestellt und bezahlt, also von den Fonds, die Mittel zu vergeben haben. Und nicht von denjenigen, die Geldgeber suchen und deshalb eine (möglichst gute) Bewertung brauchen. Natürlich schließt auch das Fehlbeurteilungen nicht völlig aus, aber es vermeidet Abhängigkeiten.
Das Ergebnis scheint zu passen: Die Kreditausfälle betragen im Schnitt höchstens fünf Prozent – ein Wert, von denen man im traditionellen Kreditgeschäft nur träumen kann.
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Dezember 2008 / Christine Kary
Den gesamten Artikel lesen Sie in der November-Ausgabe des pfm-Magazins.
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Suchbegriffe: Mikrofinanz: Investition in Menschen