Wer hätte gedacht, dass Microsoft doch noch die Richtung ändert und einen neuen Pfad einschlägt. Während die Konkurrenz ihre Dienste schon längst ins Internet verlagert hat, hat man sich bei Microsoft stur gestellt. Doch nun wurde auch beim weltgrößten Software-Konzern eine neue Ära eingeläutet. "Der heutige Tag stellt einen Wendepunkt für Microsoft und die Entwickler-Gemeinschaft dar" – mit diesen Worten kündigte Ray Ozzie, Chief Software Architect von Microsoft, auf der Professional Developers Conference 2008 Anfang Oktober einen radikalen Kurswechsel an.
Nicht mehr der einzelne PC steht künftig im Vordergrund, sondern die Mobilität – das unaufhörliche Zugreifen auf Daten, egal wo man sich gerade befindet und welche Gerätschaften zur Verfügung stehen. Mit seinem Kurswechsel ist Microsoft aber eher ein Spätzünder als Vorreiter.
Wenn Windows über den Wolken kommt…
"Cloud-Computing"-Dienste – also Dienste bei denen Anwender einer Software die Applikation und die notwendige Hardware nicht mehr selbst betreiben, sondern von einem Anbieter über das Internet beziehen – werden bereits erfolgreich von IT-Konzerne wie Hewlett Packard, IBM und Google angeboten. Auch der Online-Einzelhändler Amazon macht sich das Geschäftsmodell bereits seit einiger Zeit zunutze. Microsoft ist erst jetzt auf den fahrenden Zug aufgesprungen, denn viele Analysten sagen der Software über das Internet großen Erfolg voraus. Über die Wolken kommt von Microsoft nun "Windows Azure", ein Angebot für Hosting und Management von Cloud-basierten Diensten. Entwickler können somit Anwendungen schreiben, die bei Microsoft gelagert sind und über das Internet auf den PC oder dem Handy bereitgestellt werden. Natürlich können die Applikationen auch im unternehmenseigenen Rechenzentrum installiert werden – beide Varianten sind möglich.
"Wir stehen heute vor einem interessanten Umbruch in unserer Industrie: Die Grenze zwischen privater und beruflicher Technologienutzung verschwimmt zunehmend, die Menschen erwarten zu Hause und am Arbeitsplatz die gleiche Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit. Durch günstige Speichermöglichkeiten in Rechenzentren und dem Zugang zu größeren Bandbreiten ist heute die Lieferung von Software über das Internet eine logische Weiterentwicklung unseres Angebots am Markt", erklärt Thomas Lutz, Unternehmenssprecher und Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Österreich, den Kurswechsel. Und was bringt Azure nun für Firmen? Die Plattform soll dynamischere Anwendungen bei geringeren laufenden Kosten ermöglichen. Damit Unternehmen ihre Investitionen auf Bereiche konzentrieren können, die zur Differenzierung der Geschäftsaktivitäten führen.
Marktbeobachter glauben überhaupt, dass einige Unternehmen bald auf eigene Rechenzentren verzichten und das Internet als riesigen Datenspeicher nutzen werden. Ganz so schnell wird es dann aber doch nicht gehen, sagen allerdings die Analysten von Capgemini, Dienstleister für Management- und IT-Beratung. "In den nächsten fünf Jahren wird Software über das Internet nicht unternehmensweit für alle Benutzer und für alle Branche eingesetzt. Umso sensibler die Daten für ein Unternehmen sind, desto später wird es sich durchsetzen, etwa im produzierende Gewerbe früher, bei Finanzdienstleistungen später", erklärt Dieter Harreither, Vice President Capgemini Consulting Österreich AG. In den nächsten Jahren erwartet der IT-Berater, dass bei größeren Unternehmen die Software gemischt zum Einsatz kommen wird.
Windows Vista wird abgelöst
In den Startlöchern steckt auch schon das neue Betriebssystem Windows 7. Sein Vorgänger Vista war ja nicht der allzu große Renner. Bei Microsoft sieht man das natürlich anders: Die Entwicklung von Windows Vista sei sehr positiv, sowohl im Consumer Bereich als auch im Enterprise Bereich, so Thomas Lutz. Seit dem Launch wurden 180 Millionen Windows Vista Lizenzen an die Kunden geliefert. Doch warum kommt schon nach zwei Jahren sein Nachfolger, war doch zwischen Windows XP und Vista eine Zeitspanne von mehr als fünf Jahren? "Die Anforderungen an professionelle Informationstechnologie sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen und auch die Art und Weise wie Menschen in unternehmen mit IT arbeiten hat sich signifikant verändert. Und während IT Abteilungen immer mehr zu leisten imstande sein müssen, müssen Kosten und Risiken minimiert werden", erklärt Microsofts Unternehmenssprecher. Diesen Interessenskonflikt wolle der Software-Gigant mit Windows 7 lösen. Das neue Betriebssystem ist laut Hersteller auch mobiler:
Es ist ressourcensparender als Vista und wird damit für die kleinen mobilen Netbooks interessant, die in diesem Jahr den großen Hype ausgelöst haben.
[..]
Dezember 2008 / Judith Balogh
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Dezember-Ausgabe des pfm-Magazins.
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