Seit August letzten Jahres ist der SQL Server 2008 offiziell freigegeben - ein halbes Jahr zu spät. Doch das Warten sollte sich lohnen. Da die Datenbank nicht nur in Microsofts Produktportfolio sondern auch in vielen Unternehmen eine Schlüsselposition einnimmt, durften sich die Entwickler für die Fertigstellung etwas mehr Zeit nehmen. Dies geschieht allen voran zugunsten der Anwender in Form von höherer Qualität, zahlreichen neuen Funktionen und Weiterentwicklungen.
Verbesserungen
Zur Verwaltung mussten Administratoren bisher viele Aufgaben manuell oder mit individuellen Skripten erledigen. Das hat sich geändert. Administration und Wartung wurden mit vielen neuen Funktionen deutlich verbessert. Das beginnt schon bei der Installation, die jetzt zum Beispiel die Möglichkeit bietet, die Speicherorte für Datenbank- und Transaktionsprotokolldateien vorab festzulegen. Eine wichtige Neuerung in diesem Bereich ist die Richtlinienverwaltung, über die man Server-Richtlinien etwa zur Einhaltung von wichtigen Datenbankeinstellungen oder Namenskonventionen festlegen kann. Die Richtlinien zu allen Datenbankoptionen lassen sich über das Management Studio erstellen und auch per Skript in andere Datenbanken einspielen.
Im Sinne von Compliance ist auch die nun integrierte Funktion zur Überwachung von Datenbankänderungen wichtig. Mit der so genannten Änderungsnachverfolgung lassen sich Modifikationen an Tabellen wie das Hinzufügen einer Tabellenspalte protokollieren. Sind allerdings gesetzliche Regelwerke wie Basel II einzuhalten, reicht die Änderungsnachverfolgung nicht aus. Deshalb hat Microsoft den SQL Server mit Auditing-Funktionen ausgestattet, über die sich jegliche Zugriffe und Änderungen am System nachvollziehen lassen.
Komplette Verschlüsselung
Um weiteren Sicherheitsanforderungen zu genügen, bietet der SQL Server 2008 mit der Transparent Data Encryption die Möglichkeit, Datenbanken auch nachträglich vollständig zu verschlüsseln. Die Daten werden somit vor unberechtigtem Zugriff geschützt. Die Verschlüsselung erfolgt transparent im SQL Server, so dass Änderungen an bestehenden Anwendungen nicht notwendig sind. Zusätzlich wurden die bestehenden Verschlüsselungsfunktionen um das Extensible Key Management ergänzt, mit dem Verschlüsselungstechnologien von Drittanbietern im SQL Server genutzt werden können.
Zur Verwaltung mehrerer Instanzen können Administratoren einen Konfigurations-Server anlegen und verschiedene Instanzen zu Server-Gruppen zusammenfassen. Damit lassen sich unter anderem vom Management Studio aus Multiserver-SQL-Abfragen auf allen Servern gleichzeitig vornehmen. Dazu muss man allerdings auf allen Instanzen die Windows-Authentifizierung verwenden.
Überwachung der Auslastung
Zur Überwachung der Server-Auslastung bietet das System die Performance Data Collection, mit der sich wesentliche Informationen zur Auslastung, Datenbankgröße oder Anzahl der Transaktionen historisch in einem Performance Warehouse erfassen und über Berichte auswerten lassen. Besonders bei hohen Systemlasten hat dies den Vorteil, mögliche Probleme schneller analysieren und beheben zu können.
Eine weitere Neuerung sind die integrierten Komprimierungsfunktionen, da die zu speichernden Datenmengen in der Regel immer stärker anwachsen. Zum einen besteht die Möglichkeit, die Daten einer Datenbank direkt zu komprimieren, was Speicherplatz spart, allerdings mehr CPU-Last verursacht. Zum anderen lassen sich die oft großen Backups unmittelbar bei der Erstellung komprimieren. Bisher waren hierzu Produkte von Drittanbietern notwendig.
Für regelmäßige Auswertungen stehen im Management Studio eine Reihe von integrierten Standardberichten zur Verfügung, die zum Beispiel Auskunft über die Anzahl der laufenden Transaktionen geben und sich durch benutzerdefinierte Berichte erweitern lassen. Die Reporting Services sind dafür keine Voraussetzung. Verzichten muss man im Management Studio allerdings weiterhin auf Funktionen zum Vergleich zweier Datenbanken, auf skriptfähige Datenimport- und Exportmöglichkeiten sowie auf eine leistungsfähige Darstellung von Datenbankdiagrammen. Bei Bedarf ist hier weiterhin die Anschaffung von Drittanbieter-Software nötig.
Analyse und Entwicklung
Das zentrale Werkzeug für die Entwicklung bleibt weiterhin das Management Studio. Neben den bereits erwähnten neuen Funktionen hat Microsoft die aus Visual Studio bekannte Intellisense-Technik integriert, mit der sich ein Code automatisch vervollständigen lässt. Da immer mehr Anwendungen geografische Informationen verwenden, hat der SQL Server die zwei Datentypen Geometry und Geography für den Umgang mit Geodaten erhalten. Geometry speichert die Informationen nach dem Standard des Open Geospatial Consortium (OGC), Geography nach Längen- und Breitenangaben (GPS-Standard). Zur Speicherung unstrukturierter Daten wie Fotos oder Videos bietet der SQL Server die Erweiterung Filestream an. Mit dieser Funktion werden die Dateien direkt im Dateisystem gespeichert, aber vollständig durch den SQL Server verwaltet.
Die Reporting Services wurden erstmals in Version 2005 von SQL Server eingeführt und dienen dem Erstellen, Verwalten und Bereitstellen von Berichten. Die wohl wichtigste Neuerung betrifft die Installation der Reporting Services. Denn diese benötigen in Version 2008 keinen separaten Internet Information Server (IIS), der häufig als Sicherheitsrisiko angesehen wurde. Die Berichtserstellung erfolgt standardmäßig mit Visual Studio 2008, welches optional installiert werden kann.
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Februar 2009 / Klaus Lackner
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Februar-Ausgabe des pfm-Magazins.
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