Metalab: Zwischen Netzkultur und Start-up

Metalab: Zwischen Netzkultur und Start-up

 
 

Das Infrastrukturprovider-Projekt Metalab, 2006 in Wien gegründet, zählt heute bereits um die 120 Mitglieder. Bei einem Besuch in der Rathausstraße präsentierten die "Metalabber" ihre Visionen und ihre ersten Erfolge im internationalen Feld.

Das Eingangstor geöffnet und wenige Treppen hinab in das Souterrain-Lokal gestiegen, präsentiert sich das Metalab mit einem gedämpft beleuchteten Vorraum voller Kisten, leeren Pizzaschachteln und Fahrräder. Eingetaucht in die nächtliche Welt öffnet der Besucher eine weitere Türe. Zehn Hackerinnen, Coder und Technikfreaks sitzen rund um einen langen Tisch und tüfteln, was das Zeug hält: Willkommen im Experiment mit Selbstversuch. 

Soziale und technische Innovationen
Im Verein Metalab ist täglich Betrieb, meistens ab 18 Uhr. Die Aktivitätenliste der Mitglieder reicht von elektronische Schaltungen designen, ätzen und löten, Computerspiele programmieren und spielen, Videos produzieren, mit Mikroelektronik experimentieren bis diskutieren. Sonntags wird in der Metalab-Küche gekocht und anschließend gemeinsam gegessen, regelmäßige Vorträge und Workshops nähren den Geist und Musikkonzerte versorgen die Mitglieder mit dem nötigen Maß an Unterhaltung. Einer der Metalab-Initiatoren ist der unabhängige Internet-Security Fachmann Paul Böhm, den es allerdings vor einiger Zeit mit seiner 'geistigen Garage' nach San Francisco zog, ohne den ständigen Kontakt zum Metalab zu verlieren. Für Böhm ist der Raum ein sozialer Treffpunkt, der gleichzeitig als Keimzelle für Innovationen und Start-up-Unternehmen im Bereich emergente Technologien funktioniert. Finanziert wird der unabhängige Vereinsraum weitgehend über Mitgliedsbeiträge und wenigen Sponsorings und Subventionen, die zum Beispiel aus dem Topf der Wiener Netzkulturförderung gespeist wurden. Ziel der Gründung war kostenintensive Infrastruktur, das tägliche Werkzeug eines Techniktüftlers, gemeinnützig für Vereinsmitglieder zugänglich zu machen. Aber nicht nur 'Toolsharing'  will das Metalab ermöglichen. Ideen und Wissen sollen unter den Mitgliedern fließen. In dieser ungezwungenen Atmosphäre finden Metalabber, wie sich die Mitglieder selbst nennen, mit unterschiedlichem Ausbildungshintergrund neue Ideenpartner und praktische Unterstützung. Die Theorien rund um das Zeitgeistthema kollaborative Praxen werden hier in der Arbeitsrealität approbiert und das mit praktischem Grund. Die Notwendigkeit nach flexiblen Arbeitsstrukturen schuf in der Webwirtschaft den Trend zur Telearbeit. Vereinsamt mussten viele Telearbeiter nach einiger Zeit feststellen, dass die räumliche und zeitliche Selbstständigkeit auch negative Aspekte beinhaltet.  Das Angebot im Metalab bietet eine gute Mischung aus alter und neuer Arbeitswelt: Technische Infrastruktur mit kurzweiligen Programmangeboten und die Ansprache von Gleichgesinnten, dosiert nach eigenem Bedarf, schaffen ein Art Büro.

Gemeinsinn im Netzwerk
Viele unterschiedliche Bedürfnisse und Projekte finden unter dem Vereinsdach Platz, in dieser Polyphonie zählt das gemeinsame Selbstverständnis. Die Metalabber pflegen die Hackerkultur in ihrem ursprünglichen Sinn, der von einem konstruktiven und spielerischen Umgang mit Technologien geprägt ist. Hackerkultur wird als gesellschaftspolitischer Beitrag verstanden. Open Source ist die gemeinsame Sprache und die Wahrnehmung von globalisierten Lizenzpolitiken kritisch. Die Metalabber zählen sich zu den 'guten' Hackern, die den technologischen Fortschritt vorantreiben. Sonst darf hier jeder tun und basteln, was er will und dafür hat das Metalab zum Beispiel eine eigene Werkstatt eingerichtet. 

Heimwerker-Revolution
Der Raum ist vollgeräumt mit großen Maschinen, Werkzeug, wieder Kisten, Prototypen und sonstigem kreativen Chaos. Vorzeigestück ist ein so genannter RepRap, die Kurzform steht für Replicating-Rapid-Prototyper. Im Metalab handelt es sich um einen 3D-Drucker, der die meisten Teile seiner selbst herstellen kann. Das sich selbstreplizierende Werkzeug erzeugt natürlich auch andere Produkte. Phillipp Tiefenbacher, der an diesem Prototyp arbeitet, kommt ins Schwärmen: 'Zwar könnte sich jeder so einen 3D-Drucker bauen, aber vielen ist das zu aufwändig. Die meisten wollen das System nicht verstehen, sondern nur nutzen um etwas zu drucken. Unser Ziel bei der Arbeit am Hardware- und Software-Projekt mit der Basis Open Source ist im Moment aber die Grundlagenforschung, bei der wir durch eine Förderung von Wien Kultur unterstützt werden. Im Moment ist das System noch nicht reif für Endkunden, die es ohne Nachdenken bedienen wollen. Aber im Metalab bekommt man schon eine kleine Vorschau auf eine Welt, in der man zum Beispiel ein abgebrochenes Plastikteil des Lieblingsplattenspielers einfach am Computer nachbaut und dann druckt.' 

[...] 

April  2009 / Pamela Bartar 

Den gesamten Artikel lesen Sie in der April-Ausgabe des pfm-Magazins. 

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Reaktionen auf diesen Artikel



cakuzo, 28.04.2009
nayz
nice *.* nice


nomike, 09.04.2009
Cool...
Thumbs Up!


nickless, 08.04.2009
wahrlich gelungen
vG
-nickless


Overflo, 08.04.2009
wow..
..das ist ein schöner artikel geworden

gratulation
-flo

 
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