Andere Länder, andere Sitten, besagt bekanntlich ein altes Sprichwort. Wir modifizieren den altbackenen Titel etwas und formulieren ihn auf „Andere Länder, andere Mobiltelefone“ um. Etwas worüber man auf den ersten Blick nicht unbedingt nachdenkt, sind die kulturellen Unterschiede, die sich auf die Art und Weise der Nutzung von Handys auswirken. Während in einer Kultur großer Wert auf bestimmte Aspekte gelegt wird, können in einer anderen völlig andere Vorlieben existieren.
Die technischen Anwendungsmöglichkeiten bei Mobiltelefonen erfordern trotz eines einheitlichen Nutzungskonzeptes unterschiedliche Ansprüche und Erwartungen an die Geräte, wie Roland Koch, Consultant IT bei Digital Media Center in Stuttgart zu berichten weiß. "Berücksichtigt werden muss der Stellenwert der Geräte in der jeweiligen Kultur, die Kommunikationsweise der Menschen untereinander sowie die Faktoren der mobilen Geräte wie beispielsweise das Design des Interface, wo Farben und die Bedeutung dieser in der jeweiligen Kultur beachtet werden müssen. So ist es für indische Handynutzer von großem Interesse, Hindu-Zeichen oder auch religiöse Symbole mit einer SMS verschicken zu können. Die Farbe Grün wiederum hat für einige südafrikanische Stämme eine feindliche Bedeutung, wohingegen Rot als freundlich betrachtet wird. Hier könnte es schon zu Problemen mit der grünen Abnehm-Taste, und der roten Aufleg-Taste kommen. Der Erfolg eines Produktes kann somit manchmal am Detail der verwendeten Farbe hängen."
Kulturanthropologischer Ausflug
Die unterschiedliche kulturelle Nutzung ist nicht zuletzt kulturwissenschaftlich zu begründen und bedarf eines Streifzuges in die "fünf kulturellen Dimensionen" des Kulturwissenschaftlers Gerd Hofstede, die sich Robert Koch zufolge auf das Design und Anwendung von mobilen Geräten übertragen lassen.
Demnach wirken sich ungleiche Machtverhältnisse in einer Gesellschaft dahingehend aus, dass mehr Wert auf das Vorhandensein von Zugriffsrechten gelegt wird. In kollektivistischen Gesellschaften, die vorwiegend im asiatischen Raum anzutreffen sind, werden die Menschen aufgrund ihrer hohen sozialen Bindung tendenziell eher persönliche Sprachdienste in Anspruch nehmen und ihr Handy nicht ausschalten, als es in individualistische Kulturen, wie es in Europa und den USA der Fall sein könnte: Hier ist die Tendenz zum Versenden vieler SMS-Nachrichten zu bemerken sowie der Bereitschaft, das Handy auch einmal wegzulegen und auszuschalten. Maskuline Kulturen wie USA, Japan oder Italien schreiben dem Handy eher eine praktische Verwendung zu und sehen es als Arbeitsgerät; feminine Kulturen wie die skandinavischen Länder oder die Niederlande legen etwas mehr Wert auf Lifestyle und verwenden das Handy in einem sozialeren Kontext.
Aber wie stellen sich die Hersteller auf die unterschiedlichen Nutzungsweisen ein? Klemens Schrattenbacher, Alliance Manager Central Eastern Europe von Research in Motion meint dazu: "Nicht das Endgerät passt sich den Kunden an, sondern es sind die Anwendungen, die sich anpassen, wie zum Beispiel die Netzgegebenheiten oder diverse Applikationen, die in den Ländern unterschiedlich genutzt werden. In Österreich und generell in Westeuropa nutzen viele Übersetzungs- und Reiseprogramme. In den osteuropäischen Staaten sind wiederum bestimmte Kalenderfunktionen beliebt, wie die orthodoxen Kalender. Eine weitere Applikation, die auch keinesfalls länderspezifisch ist, ist jene des "Jewberry", die es den jüdischen Gläubigen ermöglicht, sich einmal täglich Glaubenstexte auf ihr Blackberry schicken zu lassen."
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Februar 2009 / Vera Bauer
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Februar-Ausgabe des pfm-Magazins.
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