Eine Lanze brachen die Ritter, wenn sie für jemand eingetreten sind. Nichts gegen andere Branchen – Tourismus und Autoindustrie sind für Österreich wichtig, keine Frage. Und beide Industrien erfreuen sich höchster Aufmerksamkeit der Politik. Doch das Tourismus-Schild und das Visier aus Autoblech verdeckt den Politikern den Blick auf die Telekom- und die IT-Branche.
Mit 170.000 Beschäftigten in insgesamt 15.000 Unternehmen ist die IKT-Branche aber bereits genauso groß wie die Tourismus- oder Autobranche. Und sie wächst vor allem weiter, nämlich mit 6,7 Prozent per anno. Damit werden in dieser Branche schon im nächsten Jahr mehr Wahlberechtigte zu finden sein als in jeder anderen. Das müsste doch das Argument für die Politiker sein! Und man bedenke auch den sehr hohen Anteil an österreichischen Staatsbürgern – also echten Wählern.
Dazu kommen noch einige wirtschaftliche Argumente, aus Sicht der Politik wahrscheinlich eher sekundär neben dem Stimmenpotenzial, aber für die Wirtschaft umso wichtiger. Die Bedeutung der IT formulierte OMV-CIO Johann Kandelsdorfer beim Roundtable des pfm-Magazin über Outsourcing (siehe Seite 22) so: „Es ist überall IT dabei.“ In einer Studie wies die Donauuniversität Krems nach, dass bereits 46 Prozent der Produktivitätssteigerungen auf IKT zurückzuführen sind. Oder anders ausgedrückt: Der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft wird bereits fast zur Hälfte von der IKT-Branche garantiert. Und in anderen Ländern ist dieser Prozentsatz noch höher.
Der Anteil der IKT-Branche am BIP ist bereits auf sechs bis acht Prozent gestiegen, wovon die Hälfte auf personalintensive Dienstleistungen entfällt. Kein Wunder, dass der Branche auch in Zeiten wie diesen noch immer etwa 3000 qualifizierte Arbeitskräfte fehlen. Aber wegen des heruntergelassenen Visiers ist dieser Bereich der Ausbildung für die Politik offenbar auch verdeckt oder von den massigen Rittern der diversen Lehrertafelrunden zu gut geschützt. Die Jobs wandern dann eben ins Ausland ab und damit gehen pro Beschäftigten 109.000 Euro durchschnittliches Gehalt und 47.000 Euro an Steuern pro Jahr verloren. Bei einer Pressekonferenz von elf führenden IT-Unternehmen schilderte T-Systems Geschäftsführer Georg Obermeier recht eindringlich die Unterschiede. In Österreich wählen nur 13 Prozent der Studienanfänger eine technische Studienrichtung und davon 20 Prozent die Informatik. Zum Vergleich berichtete er aus Košice, einer Stadt mit 250.000 Einwohnern, in der 30.000 Studenten an der TU inskribiert sind.
Aber, mag man einwenden, der Tourismus bringt Geld ins Land. Nur – die IKT auch. Im Jahr 2006 betrug die Exportquote der IKT-Branche immerhin bereits elf Prozent der Gesamtexporte – Tendenz stark steigend. Auch in der Krise hat sich die Branche als sehr resistent erwiesen und weder Umsätze noch Beschäftigtenzahlen – es fehlen aktuell eben 3000 Arbeitskräfte – hatten Rückgänge zu verbuchen.
Das Wifo hat im Vorjahr festgestellt, dass Österreich dringend einen Rechtsrahmen und ein Förderwesen benötigt, das stimulierend auf Investitionen und Innovationen wirkt. Österreich liegt nach einer Studie der Economist Intelligence Unit aus dem September dieses Jahres nur auf Rang 22 was die IT-Konkurrenzfähigkeit anlangt. Von der Branche und in vielen Studien wird der Mangel an qualifizierten Fachkräften und ein grundlegendes Ausbildungsdefizit beklagt. Und das trifft genau die Branche, die immer mehr zum Motor der Wirtschaft wird – und in der vor allem eine zunehmende Zahl von Wahlberechtigten beschäftigt ist.
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Oktober 2009 / Peter F. Mayer
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des pfm-Magazins.
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