Megatrend Smartphone

Megatrend Smartphone

 
Foto: Samsung
 

Ein Schweizer Taschenmesser ist ein vergleichsweise einfaches Werkzeug gegen die Handy-Alleskönner. Das Universalwerkzeug der Generation Internet heißt Smartphone.

Smartphones boomen. Sie entsprechen am besten dem Bedürfnis jederzeit und überall alle möglichen Formen der Kommunikation nutzen zu können. Das bestätigen Studien nicht nur von internationalen Beratern wie Arthur D. Little oder Gartner, sondern auch Umfragen, die die heimischen Marktführer Mobilkom und T-Mobile kürzlich durchführen ließen. T-Mobile wirbt nun sogar massiv mit dem Slogan „Wir sind Smartphone“ und bietet mit „Call & Surf“ auch einen speziellen Smartphone-Tarif an. Denn telefonieren ist schon fast zur Nebensache für den richtigen Smartphoner geworden, Web 2.0 Anwendungen, die natürlich Kosten für den Datentransfer verursachen, stehen im Vordergrund.

Was ist ein Smartphone
Offen ist allerdings die Frage, was genau ein Smartphone ist. Für Karim Taga, Österreich-Geschäftsführer von Arthur D. Little, definiert sich ein Smartphone durch seine Web 2.0 Fähigkeiten. Für Martin Wallner, Director von Samsung Mobile in Österreich, ist eher Fulltouch – also großes Display und die Abwesenheit einer Tastatur – das ausschlaggebende Kennzeichen, denn nur dadurch wird die Nutzung von Applikationen im Internet ausreichend komfortabel.

Das Interesse am Verkauf von Smartphones ist sowohl bei den Herstellern als auch bei den Mobilfunkern sehr stark. Denn für beide erhöhen sich die Deckungsbeträge durch den Verkauf der höherwertigen Geräte, da diese vermehrt Daten bewegen. Aber – und hier liegt laut Karim Taga für die Mobilfunker eine nicht unbeträchtliche Gefahr – auf längere Sicht könnte das Smartphone den Sprachmarkt kannibalisieren, der heute noch rund 85 Prozent der Umsätze einspielt. Die Mobilfunker haben sich durch Sperren von Diensten wie Skype geschützt, die Telefonieren via Internet ermöglichen. In den USA sind solche Sperren jedoch bereits verboten und auch die EU-Kommission bereitet eine entsprechende Verordnung vor. Das Thema ist Net Neutrality, das heißt, jeder darf jede Applikation über Breitband nutzen. Voice over IP benötigt etwa 30 Kilobit pro Sekunde, das heißt man kann täglich etwa zweieinhalb Stunden telefonieren und verbraucht dafür nicht mehr als ein Gigabyte pro Monat. Bei einem Preis von nicht mal zwei Euro pro  Gigabyte oder gar bei den Flatrates wird Telefonie damit nochmal erheblich günstiger als selbst im Niedrigpreisland Österreich. Oder umgekehrt: Die Umsätze mit Sprachtelefonie verfallen noch schneller und noch weiter.

Höhenflug
Einer IDC-Studie zufolge werden sich bis 2013 weltweit 334,2 Millionen Smartphones im Umlauf befinden. Die Händler können daher auch in den nächsten vier Jahren mit Steigerungen ihrer Absatzzahlen rechnen.

Trotz seines Siegeszuges wird das Smartphone allerdings den PC nicht einfach ersetzen. Zwar steht das Ende des konventionellen Mobiltelefons bevor, der Computer wird allerdings weiterhin gefragt bleiben. Für das dritte Quartal rechnet der IDC mit 78 Millionen verkauften PCs und 43 Millionen verkauften Smartphones. „Smartphones haben auf den PC-Verkauf keine Auswirkung, weil diese vollwertige Computer nicht ersetzen können. Streng genommen, können auch Netbooks leistungsfähige Notebooks nicht ersetzen, obwohl diese in Sachen Design und Funktionalität sehr viel stärker an Notebooks angelehnt sind“, meint Eszter Morvay, Analystin bei IDC, gegenüber Pressetext. Endgültig etabliert hat sich allerdings das mobile Internet auf dem Smartphone. Auch die E-Mail-Verwaltung und das Lesen von gängigen Dokumentenformaten werden auf dem Telefon immer massentauglicher.

„Es ist dennoch nicht zu erwarten, dass gewisse Geräteklassen andere ersetzen. Der Grund hierfür ist in einem immer komplexer werdenden Nutzerverhalten zu suchen. Jedes Gerät, egal ob mit fünf, zehn oder 15 Zoll großem Display, bedient eine spezielle Zielgruppe“, so IDC Analystin Morvay. Demnach ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass es künftig ein Universalgerät geben wird, eher als gering einzuschätzen.

Für Österreich weist das Marktforschungsinstitut Marketagent.com in einer Umfrage im Auftrag von T-Mobile aus, dass „Smartphones für 90 Prozent der Befragten in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Dies findet vor allem darin seine Begründung, dass 53 Prozent der Teilnehmer damit einen großen Nutzen in ihrem privaten Alltag erleben“, so Thomas Schwabl, Geschäftsführer von Marketagent.     

Windows Mobile abgestürzt
Ein heftiger Krieg ist auch um die Vorherrschaft bei den Betriebssystemen ausgebrochen. Laut einer Gartner-Studie konnte Microsofts mobiles Betriebssystem im dritten Quartal nur noch einen Marktanteil von 7,9 Prozent erreichen. Gegenüber dem Vorjahresquartal ist das ein Absturz von 28 Prozent. Obwohl der Smartphone-Markt nach wie vor im Aufwind ist und den stockenden Verkaufszahlen in der Handy-Sparte trotzt, gibt es nicht nur Gewinner am Markt. Die aktuelle Analyse von Gartner für das dritte Quartal lässt darauf schließen, dass Microsoft mit dem falschen Fuß in das Geschäft eingestiegen ist.

Symbian musste ebenfalls Marktanteilsverluste hinnehmen und fällt von 49,7 Prozent auf 44,6 Prozent, befindet sich aber dennoch auf dem Spitzenplatz. Zu den Gewinnern zählt indessen das iPhone. Das Apple-Flaggschiff konnte von 12,9 Prozent auf 17,1 Prozent zulegen. Das BlackBerry aus dem Hause RIM schaffte eine Steigerung von 15,9 auf 20,8 Prozent. Android, das freie OS von Google, kommt auf einen Anteil von 3,9 Prozent, Palms WebOS hält bei 1,1 Prozentpunkten und andere Linux-basierte Handys werden von Gartner mit 4,7 Prozent ausgewiesen.

Im dritten Quartal wurde noch nicht die aktuellste Version von Windows Mobile berücksichtigt. Allerdings rechnet Gartner nicht damit, dass Windows Mobile 6.5 etwas an Microsofts Marktplatzierung ändern wird. 

[…]

Interview mit Martin Wallner, Director Samsung Mobile Österreich

pfm-Magazin: Das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür. Welchen Absatz erwartet sich Samsung für dieses Jahr?
Martin Wallner: Wir sehen den Markt stabil sowie getrieben von Fulltouch. Samsung ist der am stärksten wachsende Hersteller, das heißt, wir werden unsere Marktposition weiter ausbauen.

pfm: Der Smartphone-Markt ist heiß umkämpft. Wie sieht es mit den Marktanteilen aus, die Samsung Mobile am österreichischen Markt derzeit hält?
Wallner: Dazu müsste man den Begriff Smartphone genauer definieren. Wir bieten jedenfalls alle Betriebssysteme, sprich Windows Mobile, Android, Symbian und proprietär erfolgreich an.

pfm: Der große Trend in diesem Jahr waren oder sind Touchscreen-Geräte. Wie lange wird sich dieser Trend halten bzw. wie schätzt man den Verlauf bei Samsung für das kommende Jahr ein?
Wallner: Der Touchphone-Anteil wird weiter stark steigen, und zwar in allen Segmenten. Im „Weihnachtsquartal“ sind bereits 50 Prozent aller verkauften Samsung Geräte Fulltouch. Damit sind wir die klare Nummer eins in diesem Bereich.

pfm: Ein Smartphone kann heutzutage schon sehr viel, aber nicht alles. Welches sind denkbare Funktionen, mit denen man in nächster Zeit auf die Kunden zugehen wird?
Wallner: Auch das hängt davon ab, wie man Smarphone definiert. Gehen wir von der üblichen Definition als Business-Device aus, so sind es neben Office Funktionen sicher Multimedia-Anwendungen, Navi, Musik, Video, direkter Zugang zu Social Networks und andere Applikationen. Letzteres hängt nicht nur von uns ab. Vereinfacht gesagt bauen die Netzbetreiber die Straßen (möglichst breit, sicher, schnell), wir Device-Hersteller entwickeln die Autos (von Familienwagen bis Rennboliden) und die Content Betreiber liefern den Treibstoff und das Tuning (Content und Applikationen) – all das auf die vielfältigen Konsumentenbedürfnisse abgestimmt.

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Dezember 2009 / Peter F. Mayer

Den gesamten Artikel lesen Sie in der Dezember-Ausgabe des pfm-Magazins.

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