Linux macht sich breit

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Linux macht sich breit

 
 

Das quelloffene Betriebssystem ist von einem Großteil der Server in Unternehmen nicht mehr wegzudenken, aber am Desktop immer noch Nischenprogramm. Doch über den Umweg Handy könnte sich das Betriebssystem doch noch auf die PCs dieser Welt drängen.

Als Server-Betriebssystem gehört Linux heute in vielen Unternehmen zum Alltag, zeigen die Marktforscher der International Data Corporation (IDC) auf. Das zeigen vor allem die Wachstumsraten des Betriebssystems, welche die Analysten errechnet haben. Konnten die Linux-Distributoren in den Jahren 2005, 2006 und 2007 noch zweistellige Zuwächse bei den ausgelieferten Systemen verbuchen, rechnet IDC für 2008 nur noch mit einer Zunahme um 9,2 Prozent. Bis zum Jahr 2012, so die Prognose, werde der Markt für Linux-Server jedes Jahr durchschnittlich noch um beachtliche 8,2 Prozent wachsen.

Für die Marktforscher der IDC sind die heißen Trends, die Anwender zu Linux greifen lässt, Server-Konsolidierung in Verbindung mit Virtualisierung und 64 Bit-Computing. Ein spezieller Faktor ist ihrer Ansicht nach die Tendenz etlicher Anwender, Linux auf nicht traditioneller Hardware zu installieren. Dazu zählten etwa normale PCs, die als Server genutzt werden, aber auch ältere oder ausgemusterte Server-Systeme, deren Lebenszyklus mit einer Linux-Installation verlängert wird. Eine zunehmend wichtige Rolle spielten Linux-Installationen auch innerhalb von virtuellen Maschinen. Im Zeitraum von 2004 bis 2007 beobachten die IDCler zudem eine Verschiebung am Markt. Der Schwerpunkt im Bereich kommerziell vermarkteter Linux-Distributionen habe sich von billigen Massenprodukten hin zu höherwertigen Systemen mit geringeren Stückzahlen verlagert. 

Server-Match: Novell gegen Red Hat
Für das Jahr 2007 macht IDC einen klaren Gewinner im weltweiten Markt für Linux-basierende Server-Betriebssysteme aus. Novell konnte sich mit einem rasanten Wachstum als Key Player etablieren, kommentieren die Analysten. Der Anbieter der Suse-Linux-Familie habe dabei insbesondere von der Partnerschaft mit Microsoft profitieren können. Aber auch der Platzhirsch Red Hat legte zu.

Betrachtet man nur die Anzahl verkaufter Pakete beziehungsweise Abonnements, ergibt sich ein klares Bild: Mit der Produktreihe Enterprise Linux hält Red Hat einen Marktanteil von 62,1 Prozent. Novell kommt mit Systemen der Familie Suse Linux Enterprise Server auf 29 Prozent. Die übrigen 8,9 Prozent teilen sich kleinere Anbieter wie Turbolinux, Red Flag und Canonical (Ubuntu), aber auch Oracle mit Enterprise Linux und Unbreakable Linux. Das von Larry Ellison geführte Unternehmen konnte trotz einiger Marketing-Anstrengungen bisher lediglich 1,1 Prozent der Server-Verkäufe für sich gewinnen. Doch die Entwicklung könnte durch die Übernahme von Sun Microsystems bald zugunsten der Oracle-Distributionen gehen.

Im Vergleich zum Vorjahr 2006 gelang es Novell, gegenüber dem Erzrivalen Boden gut zu machen: Der Anteil der Suse-Linux-Server stieg von 26,1 auf 29 Prozent. Red Hat musste einen Rückgang von 64,2 auf 62,1 Prozent hinnehmen. Folgerichtig erzielte Novell mit einer Steigerung von fast 39 Prozent auch das schnellste Wachstum im Jahresvergleich. Red Hat verbuchte eine Wachstumsrate von rund 21 Prozent. Anders stellt sich die Situation im Bereich der kostenlos genutzten Linux-Distributionen dar. Hier dominiert CentOS mit einem Anteil von 30,5 Prozent, gefolgt von Red Hat Enterprise Linux (19,3), Fedora Core (14,6) und Novell Suse Linux Enterprise (9,0).

Die wachsende Popularität des Open-Source-Betriebssystems lässt sich auch an den Umsätzen der Hardware-Anbieter ablesen. Nach Berechnungen von IDC verkauften sie im zweiten Quartal 2008 Linux-basierende Server im Wert von 1,9 Mrd. Dollar, immerhin um zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatzanteil verkaufter Linux-Server am gesamten Server-Markt stieg von 9,4 auf 13,4 Prozent – trotz Zweitnutzung alter Geräte. 

Kein Erfolg am Desktop
Am Desktop, auf Notebooks und Netbooks sieht die Situation noch eher traurig aus. So wurde immer wieder ein Durchbruch vor allem von Linus Torvalds, dem Linux-Erfinder, prophezeit, der aber (noch) nicht eingetreten ist. Im Geschäftsbereich lässt sich aber schon ein Trend ablesen (siehe Interview mit Jürgen Müller, S.24). Immer mehr Unternehmen evaluieren den Einsatz. Jürgen Müller, General Manager von Novell Central Europe: „Der Trend zu Web-Applikationen macht Linux am Desktop immer attraktiver.“ Und es seien einige große Projekte in Europa in der Durchführungsphase.

Der Trend zur E-Mail- und Internet-Maschine für unterwegs, den Netbooks, könnte aber auch einige private Anwender zu Linux treiben, da genau für ein solches Anwendungsszenario und aus Ermangelung mancher Applikationen das Betriebssystem ideal ist. Canonical (kommerzieller Gründer und Unterstützer des Linux-Derivats Ubuntu) arbeitet derzeit mit AMD an einer Ubuntu-Version, die perfekt auf den ARM-Prozessor abgestimmt ist. Und der kommt in vielen Netbooks zum Einsatz. 

[...] 

Mai 2009/ Klaus Lackner 

Den gesamten Artikel lesen Sie in der Mai-Ausgabe des pfm-Magazins. 

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