Eine umfangreiche Benchmarking Studie zeigt, dass Österreichs
E-Wirtschaft das Jahrzehnt der Liberalisierung bestens überstanden hat. Auch für die Zukunft fühlt man sich gut aufgestellt.
Mit „Value Creator IV“ bietet Accenture die umfangreichste und intensivste Benchmarking Studie des Elektrizitätssektors im deutschsprachigen Raum. Von 1999 bis 2007 wurden 121 Energieversorger unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Typs in Österreich, Deutschland und der Schweiz analysiert und 105 Führungskräfte nach den künftigen Erfolgsfaktoren befragt. Mit zwölf Energieversorgungsunternehmen sind zehn Prozent der untersuchten Unternehmen aus Österreich.
In der Studie wurden sowohl die Erfolgsdeterminanten der vergangenen Jahre analysiert, als auch die Fähigkeiten und Branchentreiber hinterfragt, die für den zukünftigen Erfolg der Energieversorgungsunternehmen entscheidend sind. Diese sowohl vergangenheits- als auch zukunftsbezogene Analyse wurde in der Studie im Rahmen eines Vergangenheits-Zukunfts-Portfolio zusammengefasst, das den Unternehmen als Instrument der Entscheidungsunterstützung bei der strategischen Ausrichtung dienen soll. Die Ergebnisse der Studie bescheinigen der E-Wirtschaft eine solide Basis.
Ergebnisse „Die Kennzahlen belegen einen finanziellen Wertzuwachs und ein stabiles Umsatzwachstum von jährlich circa acht Prozent von 1999 bis 2007“, meint Hans-Peter Schmid, Energieexperte bei Accenture Österreich. Der Gesamtumsatz aller 121 untersuchten Unternehmen stieg von circa 43 Milliarden Euro im Jahr 1999 auf knapp 100 Milliarden Euro im Jahr 2007. Das Umsatzwachstum wurde zum einen durch Steigerungen der Vertriebs- und Handelsmengen sowie durch Fusionen und Unternehmenszukäufe erzielt. Die positive Ergebnisentwicklung setzt sich laut der Studie auch weiterhin fort, wird aber primär nur über einen steigenden Kapitalumschlag getrieben. Dass länderspezifische Ergebnisunterschiede weiterhin bestehen, wird von der Analyse ebenso gezeigt, wie der Umstand, dass Größenvorteile realisiert werden und kleine Unternehmen diesbezüglich zunehmend ihren Vorteil verlieren. Der Unterschied zwischen den 20 erfolgreichsten und den 20 weniger erfolgreichen Energieversorgern erreichte im Jahr 2007 seinen Höhepunkt und die Schere öffnet sich auch weiterhin. Das zeigt, dass die Elektrizitätsunternehmen unterschiedlich gut auf die Marktsituation reagieren, wobei die Tendenz der österreichischen Unternehmen als positiv bezeichnet wird. Als weiteres Ergebnis der Studie gilt, dass die Tarifhöhe nicht ausschlaggebend für den Erfolg ist und kommunale Unternehmen nicht durch eine geringere Profitabilität gekennzeichnet sind.
Zukunftsansichten Im zukunftsbezogenen Teil der Studie wurden Führungskräfte nach ihrer Einschätzung zu den erfolgsrelevanten Kriterien befragt. Nach Meinung der Branchenkenner legen sowohl die Rivalität innerhalb der Branche, das soziokulturelle Umfeld, sowie die Eigenschaften des Kundenverhaltens und die Technologie weiter an Bedeutung für die Energiewirtschaft zu. Höchsten Handlungsbedarf sehen die Entscheidungsträger vor allem bei strategierelevanten und „weichen“ Fähigkeiten wie etwa der Personalentwicklung oder der Veränderungsfähigkeit der Unternehmen. Geringer Handlungsbedarf wird hingegen im technischen Kerngeschäft wie der Betriebsführung oder der Instandhaltung gesehen.
Regulierungsdruck Die Liberalisierung des Strombinnenmarkts konnte Österreich laut der Studie gut meistern. Auch Wolfgang Anzengruber, Präsident des Verbandes der Elektrizitätsunternehmen in Österreich (VEÖ) und Verbund-Vorstandsvorsitzender, sieht den Vollzug der Liberalisierung gelungen: „Die Liberalisierung wurde in Österreich schroffer durchgeführt als in anderen Ländern. Österreichische Erzeuger hatten von Anfang an einen großen Druck, haben die Situation aber dennoch gut gemeistert.“ Trotzdem hat sich der starke Regulierungsdruck spürbar auf die wirtschaftliche Situation der österreichischen E-Wirtschaft ausgewirkt. Im Ländervergleich weist Österreich die niedrigsten Renditen für das investierte Kapital (ROIC) auf. Als Hauptursachen dafür werden die frühe Liberalisierung im Jahr 2001 und die konsequente Regulierung mit deutlichen Senkungen der Netztarife genannt. „Der durchschnittliche ROIC lag in Deutschland bei 9,6 Prozent, in der Schweiz bei 14 und in Österreich bei 5,6 Prozent. Zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Energiewirtschaft ist daher eine maßvolle Regulierungspolitik in der Zukunft dringend von Nöten“, so Schmid.
Die österreichische E-Wirtschaft plant bis 2020 im Durchschnitt jährliche Investitionen von rund 1,5 Milliarden Euro in Erzeugung und Netze. Entsprechende Rahmenbedingungen müssen diese Investitionen möglich machen und sichern. Auch Anzengruber plädiert dafür: „Um Erfolg im Klimaschutz zu haben und die Versorgungssicherheit weiter hoch halten zu können, sind sinnvolle Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Notwendig ist laut dem VEÖ-Präsidenten zunächst vor allem ein Konsens über den Ausbau der Erzeugung, im Rahmen der Energiestrategie. Außerdem dürfe der Strukturwandel des Energiesystems nicht durch eine überzogene Regulierung der E-Wirtschaft erschwert werden.
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März 2010 / Claudia Thon
Den gesamten Artikel lesen Sie in der März-Ausgabe des pfm-Magazins.