Digitalisierung und Internet machen auch vor dem TV-Gerät nicht halt. Die internationale TV-Landschaft sieht sich Veränderungen ausgesetzt, die die Grabenkämpfe um die Besetzung der Führungsgremien des ORF wie Sandkastenspiele am Kinderspielplatz aussehen lassen. Die alte lineare TV-Programmierung wird von allen Seiten heftig angegriffen und nicht nur die privaten, kommerziellen Sender bringen die klassischen Geschäftsmodelle immer mehr in Schieflage.
Die Welt war heil, solange man nur den ORF am TV-Gerät empfangen konnte. Heute ist das Internet aber bereits eine riesige Videothek geworden, deren Inhalte wir am PC oder Notebook, am Handy oder Smartphone, auf den neuen Spielekonsolen und auch bereits auf den neueren TV-Geräten ansehen können.
Anfang November wurde das Gerücht gestreut, dass Apple eine Videothek in iTunes integrieren wird. Und iTunes ist, wie man weiß, beim Vertrieb von Musik extrem erfolgreich. Auf einer Tagung über TV 3.0 des Beraters Arthur D. Little erklärte der Apple Director Alan Rosenfeld einen der Gründe für den Erfolg: Es käme darauf an, nicht nur die Blockbuster und Massenformate zu haben, sondern auch den „longtail“, also Titel, die nur wenige Menschen ansprechen, diese dafür aber umso stärker binden. Dafür benötigt man natürlich ein Management des Content und ausgezeichnete Suchmöglichkeiten – iTunes, Amazon und Google machen uns vor wie das geht.
Besonders originell ist der Ansatz von Sony. Die neuen Bravia-TV-Geräte (siehe auch Seite 37) sind nicht nur mit einem Internet-Anschluss ausgestattet, sondern haben bereits auch Widgets für den Zugriff auf Facebook, YouTube – und auf die eigenen Inhalte. Denn Sony hat auch einen der größten Musik- und Videoverlage der Welt. Die klassischen Verkaufskanäle sind damit völlig ausgeschaltet und man hat vom eigenen TV-Gerät den direkten Zugriff auf riesige Mediatheken. Und bei Preismodellen ähnlich denen von iTunes werden die Leute auch zugreifen, wenn auf den Free-Kanälen wieder einmal nichts Gescheites läuft. Um das Äquivalent der monatlichen ORF-Zwangsgebühr kann man sich schon einiges kaufen.
Genau das Gleiche passiert auf den Spielekonsolen. Die Playstation und die Xbox verfügen bereits über die Internet-Zugänge und über vorinstallierte Widgets ist man blitzschnell in den größten Mediatheken. Genauso gilt das natürlich für die Smartphones, die ebenfalls diese Zugänge schon vorinstalliert haben.
Ab nächstem Jahr ist mit einer Konvergenz der Betriebssysteme zu rechnen. Martin Wallner, Director bei Samsung Mobile in Österreich, erwartet bald auch das Smartphone Betriebssystem Android in TV-Geräten und natürlich in Notebooks (siehe ab Seite 8). Für den User bedeutet das, dass er sich Videos, die er bei Sony, Apple oder einer anderen Quelle im Netz erworben hat, problemlos auf Smartphone, Notebook und dem TV-Gerät ansehen kann.
Natürlich mischen auch die Telkos kräftig mit. IP-TV war der erste Versuch, die Kunden im eigenen Netz zu binden. Nach Berichten von Marktforschern bisher nur wenig erfolgreich. Deshalb gehen einige der Großen nun dazu über eigenen Content zu machen. So produziert die Deutsche Telekom mit ihrem „Liga total“ Paket jetzt die Übertragungen von der Bundesliga jetzt selbst in HD-Qualität. Auch France Telecom hat bereits eigene Produktionsstudios eingerichtet. Der Schlüssel zum Erfolg von IP-TV ist eben auch ein Angebot, das woanders nicht erhältlich ist und den Extrapreis rechtfertigt.
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Dezember 2009 / Peter F. Mayer
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Dezember-Ausgabe des pfm-Magazins.
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