Es ist gelungen den Standort Wien im globalen Wirtschaftssystem als ernstzunehmenden Player in der europäischen Spitzenklasse zu positionieren. Nach wie vor sind die günstige geografische Lage neben einem speziellen „Wien-Klima“ für viele Unternehmen und Entrepreneurs Gründe sich für den Standort Wien zu entscheiden.
Im internationalen Vergleich punktet Wien mit gut ausgebildeten Fachkräften und der damit einher gehenden hohen Produktivität und gleichzeitig mit dem bedeutenden Faktor Kreativität. Dies verbunden mit der auch international anerkannten hohen Lebensqualität sprechen für den Standort. Die in Deutschland und Österreich tätige Expertin Karoline Simonitsch, Strategic Development Consulting, sagt dazu: „Wien ist ein anerkannter, vernetzter, wissens- und technologiebasierter Wirtschaftsstandort – doch die Konkurrenz ist groß und schläft nicht.“
Die Rolle von IKT
Eine besondere Rolle für jeden Wirtschaftsstandort spielen Unternehmen aus der IKT- und Medienbranche. Ihnen kommt vor allem für die Zukunft in Hinblick auf die langfristige innovative Ausrichtung und Entwicklung eines Wirtschaftsstandorts und damit die Erhaltung und Schaffung zukunftsorientierter Arbeitsplätze eine entscheidende Bedeutung zu. Dominiert wird dieser Sektor in Wien vor allem von innovativen Klein- und Ein-Personen-Unternehmen (oft IKT-Dienstleister).
Um die Innovationskraft dieser Unternehmen zu stärken, wurden in den letzten Jahren von der Stadt Wien gezielt Förder- und Beratungsprogramme entwickelt und angeboten. Zahlreiche Unternehmensgründungen und überaus innovative Ideen und Projekte werden von departure (eine Service- und Wirtschaftsförderungsstelle für die Creative Industries) und vom Zentrum für Innovation und Technologie (ZIT) betreut und gefördert.
Wachstumskapital fehlt
Doch hoch kapitalisierende wachstumsorientierte IKT-Start-ups fehlen dem Wirtschaftsstandort Wien. Der IP-Telefonie-Anbieter Jajah, 2005 in Wien gegründet, gehört zu den wenigen Unternehmen, die es geschafft haben und dank internationaler Investoren zum Global Player aufgestiegen sind – Firmensitz nicht mehr in Wien.
Nun muss man sich fragen woran das liegt? Einer der Gründe liegt laut Simonitsch im schwach entwickelten Private Equity und Venture Capital Markt in Österreich. „Millionenschwere Investments sind zwar auch in Deutschland eine Seltenheit – aber immerhin, es gibt sie. Im Gegensatz zu Österreich. Erst vor wenigen Tagen ist es dem Kölner Musikdienst simfy gelungen eine Finanzspritze in Höhe von sieben Millionen Euro zu erhalten. Mit diesem frischen Kapital soll die europäische Expansion und der Ausbau der neuen Produktgeneration vorangetrieben werden.“ erläutert die Expertin die Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich.
Aus dem deutschen Nachbarland häufen sich in letzter Zeit Presseaussendungen wie zum Beispiel die des German Seed Fund, der Gründer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sucht (ein Österreicher ist mit im Gründungsboard) – ausgehend von Berlin. Oder die Einladung der neu gegründeten Hanse Ventures, die Gründertalenten neben Kapital, Know How und Vernetzung auch Infrastruktur zur Verfügung stellen. Alles Aktivitäten und Investoren im und aus dem Bereicht IKT & Medien mit Fokus auf Entwicklungen – Potenziale und neue Trends rund ums WWW.
Was sind die Auswirkungen auf den Standort Wien, fragte das pfm-Magazin Simonitsch: „Wien bietet erstklassige Förderungen im Gründungs- und Start-Up Bereich, auch für innovierende Wachstumsunternehmen. Wenn es aber um einen globalen Roll-Out geht, um die internationale Expansion und notwendige Wachstums-Finanzierung, dann fehlen die geeigneten Finanzierungsinstrumente und Institutionen – nicht nur in Wien sondern in Österreich insgesamt. Dies könnte zur Folge haben, dass zwar die Gründung – wie durchaus schon mehrmals passiert – in Wien stattfindet (via erstklassiger Fördermöglichkeiten unterstützt) aber die Wachstumsphase ins deutschsprachige Ausland verlegt wird und die weitere Expansion sowie der Erfolg und unternehmerische Durchbruch eben nicht mehr vom Wirtschaftsstandort Wien aus stattfindet“, schildert die Beraterin die Problemlage.
Auch Venture Profis wie Global Equity Partner Vorstand Herbert G. Herdlicka, sind mit der österreichischen Situation rundum unzufrieden: „Es wurde zwar vor der letzten Wahl etwas verändert aber die derzeitige gesetzliche Lage ist einfach nicht handhabbar. Und leider scheint das Interesse im Finanzministerium auch sehr gering nun endlich brauchbare Instrumente zu schaffen.“ Als Folge fürchtet Herdlicka Abwanderung sowohl von Mitteln als auch von Ideen, zukunftsträchtigen Produkten und geistigen Kapital in andere Länder wo bessere Finanzierungen möglich sind.
Barbara Novak
Abgeordnete zum Wiener Landtag und IKT-Sprecherin der SPÖ
pfm-Magazin: Frau Novak, Experten bescheinigen Wien einen sehr guten Ruf als IKT-Standort. Wie sehen Sie die Situation?
Barbara Novak: Lassen Sie mich zunächst kurz auf die Bedeutung der IKT für Wien eingehen. Im Raum Wien lassen sich zehn Prozent der Beschäftigung und der wirtschaftlichen Erlöse und 15 Prozent der Bruttowertschöpfung auf den IKT-Sektor zurückführen. Damit ist die Wertschöpfung um ein Mehrfaches höher als jene im Tourismus, die Erträge übertreffen jene in der Wiener Fremdenverkehrsbranche sogar um den Faktor zehn. Die Stadt Wien hat sich in den letzten Jahren zum zentralen IT-Standort Europas entwickelt: eine Studie der Stadt Wien belegt, dass heute 5.300 Unternehmen aus der IKT-Branche mit insgesamt 64.000 Beschäftigten einen Umsatz von fast 20 Mrd. Euro in Wien erwirtschaften.
pfm: Und worauf führen Sie diesen Boom zurück?
Novak: IKT wird immer mehr zum grundlegenden Faktor jeglicher Innovation. Das trifft auf so gut wie alle Branchen und Wirtschaftszweige zu. Der andere Faktor ist, dass die Stadt Wien schon seit längerer Zeit gezielt die Branche fördert. Wir stellen auch jedes Jahr ausreichende Mittel zur Verfügung, die über sehr professionell agierende Institutionen wie das ZIT in IKT spezifischen Calls oder departure vergeben werden Zusätzlich wird auch an der Standortentwicklung und damit an geeigneter Infrastruktur gearbeitet. Das zeigt sich zum Beispiel sehr deutlich in St. Marx, wo wir mit den Media Quater Marx der Branche auch einen Ort für Innovation und Austausch zur Verfügung stellen.
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Juni 2010 / Peter F. Mayer
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Juni-Ausgabe des pfm-Magazins.
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