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In die Zukunft investieren

 
 

Spät aber doch – auch in Österreich wird nun der Ausbau einer zeitgemäßen Breitbandinfrastruktur angegangen. Das ist das für den Wirtschaftsstandort wichtigste Infrastrukturprojekt dieses Jahrhunderts.

Österreich hat weltweit die Nase vorn beim mobilen Internet – beim Ausbau der noch viel dringender benötigten Glasfaserinfrastruktur sind wir aber traurige Nachzügler. Der Rückstand soll aber nun endlich aufgeholt werden, geht es nach Playern wie Telekom Austria, UPC oder Wien-Energie-Tochter blizznet.

Den Sinneswandel der Telekom Austria haben wesentlich drei Faktoren beeinflusst: Der Abgang von Boris Nemšic, der das Festnetz zugunsten des Mobilfunks ausgehungert hat und sein mehr an die Zukunft denkender Nachfolger Hannes Ametsreiter; die enorme Aufrüstung der Bandbreite in den Kabelnetzen angeführt von UPC; und die laufende Zunahme von Bandbreiten im Mobilfunk.

Neuer Rahmen durch TKG Novelle
Die im Juni vom Nationalrat beschlossene Novelle geht offenbar auf eine Initiative des neuen TA-Generals Hannes Ametsreiter zurück. Wie aus dem Ministerium von Doris Bures von Insidern zu hören ist, hat Ametsreiter angeboten eine Milliarde in die Festnetz-Infrastruktur zu investieren, wenn es in der Frage der Wegerechte Erleichterungen gibt. Das Ministerium hat das neue Gesetz – zum Wohl des Standortes Österreich – in erstaunlich kurzer Zeit durch den Nationalrat gebracht. Das Versprechen der Investition hat die zuständige Ministerin natürlich angesichts des wirtschaftlichen Umfeldes – es werden damit viele Arbeitsplätze gesichert oder geschaffen – zum raschen Handeln bewegt.

Die Novelle wurde fast von der gesamten Branche begrüßt, nur UPC-Chef Thomas Hintze war ziemlich vehement dagegen. Offenbar hatte er seinen Eigentümern versichert, dass seine Infrastruktur nicht angetastet würde, was aber nach dem neuen Gesetz nicht mehr haltbar sein wird. Und natürlich versucht Hintze auch seine Marktanteile zu verteidigen. In weiten Teilen Wiens hat UPC mit Kabel-Internet an die 80 Prozent, die TA hingegen nur etwa 18 Prozent.

Neue TA Politik
Seit etwa Ende Februar – spätestens mit Bekanntgabe des Abganges von Boris Nemšic – hat Hannes Ametsreiter die Weichen in der TA umgelegt und dirigiert den Zug jetzt in eine deutlich andere Richtung. Offenbar setzt man jetzt auf Kooperation und ist viel offener. Die Novelle verschafft der TA zwar Zugang zur Infrastruktur der Konkurrenten – eben auch der UPC – und vor allem der der Energieversorger, aber natürlich erhalten umgekehrt auch andere Netzbetreiber Rechte zur Benutzung von Glasfasern oder Lehrverrohrungen, die der TA gehören. Gegenüber dem pfm-Magazin skizziert Festnetz Technik Vorstand Walter Goldenits die neue Politik der TA so: „Wenn wir Infrastruktur bauen ist es unser Ziel, dass sie genützt wird und daher stellen wir sie auch in Wholesale-Angeboten zur Verfügung.“ Er geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wir sind offen eine eigene Infrastrukturgesellschaft für Neubauten zu gründen, falls sich andere Unternehmen daran beteiligen wollen – wir sind durchaus gesprächsbereit.“

Das neue Gesetz und die veränderte Haltung der TA-Führung werden sich positiv für Österreich und die gesamte Branche auswirken. Genau das prognostiziert auch das WIFO in einer Anfang des Monats bei den Technologiegesprächen in Alpbach präsentierten Studie.

Ausbau bei UPC
UPC hat Anfang des Jahres den Ausbau seines Netzes auf den technologischen Standard Docsis 3.0 angekündigt, mit dem Bandbreiten von bis 100 Mbit/s möglich werden. Grundsätzlich gibt es das Kabelnetz der UPC in 1,1 Millionen Haushalten ("passed homes"), die aber natürlich nicht alle Breitbandkunden sind. Wo und wann diese höheren Geschwindigkeiten verfügbar sind, dazu gibt sich UPC-Chef Thomas Hintze auf Anfrage des pfm-Magazin aber noch bedeckt: "Der Ausbau von Docsis 3.0 – sprich von UPC Fiber Power mit Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 100 MBit/s – wurde Ende August abgeschlossen. Im Moment können wir über noch keine konkreten Teilnehmerzahlen sprechen, da wir erst kürzlich die Bewerbung des Produktes und eine Verkaufsoffensive gestartet haben."

Hintze war auch einer der schärfsten Kritiker der Novelle und stand mit seiner UPC bisher im Schmollwinkel. Das scheint sich aber nun zu ändern: „Als innovatives Unternehmen stehen wir konstruktiven Gesprächen über eine nachhaltige Umsetzung des Glasfaserausbaus und Investitionen in die Infrastruktur Österreichs immer offen gegenüber“, gibt sich Hintze vorsichtig kooperationsbereit.

Die blizznet Offensive`
Mit einer interessanten Offensive macht jetzt Wien Energie Tochter blizznet von sich reden. Mit 2000 Kilometern Glasfaser verfügt die Wienstrom über das größte Glasfasernetz in der Bundeshauptstadt. Damit wird bereits das größte Schulnetz Europas betrieben sowie das Magistratsnetz. Derzeit sind auch bereits 20.000 private Kunden angeschlossen und in den nächsten zwölf Monaten soll sich diese Zahl mindestens verdoppeln.

Am Ausbau dieses Netzes arbeiten verschiedene Betriebe der Stadt Wien. Glasfaser-Leerrohre werden mit den Strom- und Fernwärme-Leitungen mitverbaut. Die Wiener Linien verlegen zusätzlich Glasfasern im U-Bahn-Bereich und im Oberflächenbereich bei den Straßenbahnlinien.

Das Vertriebsmodell von blizznet ist kürzlich umgestellt worden. Hatte man früher Kunden direkt angesprochen, so geschieht dies nun ausschließlich über Partner. „Wir wollen der Anbieter von Breitbandinfrastruktur in Wien sein“, formuliert blizznet Vertriebsleiter Christian Reim seine Mission. Die Partner reichen von der Telekom Austria über next layer GmbH bis zu ganz kleinen Providern, für die auch eine technische Infrastruktur verfügbar gemacht wird. Die Services, die blizznet den Vertriebspartnern anbietet, reichen von Internet über Telefonie, Datensicherung, Videoüberwachung bis hin zu IP-TV. Ein typischer Endkundenpreis ist Euro 19,90 für 10 Mbit/sec symmetrisch (d.h. sowohl im Download als auch im Upload). 100 Mbit/s symmetrisch, IP-TV mit 78 Sendern und drei Handys werden etwa vom blizznet-Partner TeleTronic um Euro 69,90 im Monat angeboten.

Für Endkunden sind bis zu 100 Mbit/s symmetrisch verfügbar und Firmenkunden können mit einem bis maximal zehn Gbit/s symmetrisch angeschlossen werden. Hier zeigen sich auch ganz deutlich die Vorteile von Glas- gegenüber Kupfer- und Kabelnetzen. In beide Richtungen können höchste und vor allem gleiche Bandbreiten verfügbar gemacht werden, die dem Kunden auch wirklich immer zur Verfügung stehen. Gegenseitige Störungen oder Ausfälle durch Blitzeinschläge sind nicht möglich. Und es gibt auch keinen Elektrosmog.

 

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September 2009 / Peter F. Mayer

Den gesamten Artikel lesen Sie in der September-Ausgabe des pfm-Magazins.

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