Dass der 15. Wiener Gemeindebezirk kein Vorreiter in Sachen Grünoasen und architektonischer Design-Schmankerl mit Green-Economy-Charakter ist, liegt zugegebenermaßen auf der Hand. Kann aber noch werden. Das Boutiquehotel Stadthalle erfüllt die Kombination aus grünem Gewissen und schicker Design-Unterkunft. Optisch relativ unauffällig reiht es sich als weltweit erstes Null-Energie-Bilanz-Hotel in das Straßenbild ein. „Mir waren Umwelt und Natur seit jeher ein großes Anliegen, da wurde die Idee eines entsprechenden Hotels immer konkreter“, äußert sich die Eigentümerin und Gründerin des Drei-Stern-Hotels Michaela Reitterer zum Impuls, der das Projekt eines Passivhauses nach sich zog. Die bestehende Hotelanlage mit 44 Zimmern hat sie den Eltern 2001 abgekauft, das Dach mit einer 160 m² großen thermischen Solaranlage versehen und anschließend den Zinshaus-Zubau auf Passivhaus-Standard angepeilt. Dieses verfügt über weitere 38 Zimmer, eine 84 m² Photovoltaikanlage, eine Regenwassernutzanlage für die WC-Spülung und eine Wohnraumlüftung mit Frischluftvorwärmung durch Solaranlage und Wärmepumpe. Ein optisches Highlight bietet das Lavendeldach, das neben einem schönen Anblick auch als Badesubstanz oder Duftzusatz im Kleiderschrank dient.
Zudem wird der gesamte Zubau mit Energie-sparenden LED-Lampen ausgerüstet. Mit einer Investition von fünf Millionen Euro hat die Hotel-Managerin den Zubau des Passiv-Hauses finanziert. „Die Photovoltaikanlage kostete richtig viel Geld, die wird sich erst innerhalb der kommenden zehn Jahre rentieren“, erklärt Reitterer. Aus diesem Grund sieht sie die Einführung eines Ökostromgesetzes und eines Einspeisetarifs – wie er bereits in Deutschland vorliegt – als notwendig an.
Viel Wind um wenig Lärm
„Hier schläft man absolut emissionsfrei“, so Michaela Reitterer bei der Eröffnung des Hotels im November 2009. Noch liegt der Deckungsgrad jedoch bei 85 Prozent, denn vier Windräder, die auf dem Dach angebracht werden sollen, harren auf ihre Baugenehmigung. Als kraftaufwendig stellt sich die Errichtung der Windkraftanlage heraus, da ihr momentan noch viel bürokratischer Gegenwind entgegenweht. „Ich verstehe mich als Pionier – und Pioniere haben immer mit Hürden zu kämpfen, um ihre Ideen durchzusetzen“, weiß Reitterer.
Die geplanten Windräder befinden sich in einem gewerblichen Genehmigungsverfahren und „dafür müssen zahlreiche Gutachten vorgelegt werden, um im Vorfeld Behörden und Anrainern gleichermaßen zu belegen, dass die Windkraftanlage harmlos und mit einer Lautstärke von 30 Dezibel kaum hörbar ist“, so die Hotel-Managerin. Dass die vertikalen Windräder für weniger Lärm sorgen würden als der Straßenverkehr und die Supermarkt-Lüftungsanlage gegenüber, hat sie bereits belegt. Ihre Frage, ob die Gesellschaft noch nicht begriffen hat, dass Klimaschutz ein Allgemeinwohl ist, soll im Laufe des Bauvorhabens und im Zuge eines Hearings noch geklärt werden.
Die persönliche Energiebilanz des Hotels erfährt nichtsdestotrotz positives Feedback. Die geplanten Windräder erweckten große Aufmerksamkeit bei Branchenkollegen und Umweltvereinen, die sich für die innerstädtische Stromgewinnung mittels Windkraft
interessieren.
Tagungen mit Blick in den Garten
Seminar- und Konferenzräume sind mittels Zukaufs eines benachbarten Grundstücks bereits als zukünftige Projekte im Laufe des Jahres 2010 eingeplant. „Wir befinden bereits uns auf Liegenschaftssuche und möchten unseren Gästen Tagungen und Seminare in einem verglasten Gebäude, quasi in der freien Natur mit Blick in den Garten, ermöglichen“, beschreibt die Hotel-Managerin ihre Vision. Ab 20 Übernachtungen können Business-Spezialvereinbarungen getroffen werden. Kostenloses, verschlüsseltes Wlan ist bereits jetzt im ganzen Haus nutzbar. Hinzu kommt die angepeilte Realisierung eines Spa-Bereichs, der bei Privat- und Geschäftsreisenden gleichermaßen für Entspannung sorgen soll. Zukunftsweisend will man im Boutiquehotel Stadthalle auch in punkto Anreise sein und plant zwei Tankstellen für Elektroautos vor dem Hotel ein. Auch an pedalierende Hotelgäste will man appellieren: Für die Anreise mit dem Fahrrad erhalten Kunden eine zehnprozentige Ermäßigung.
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Februar 2010 / Eva Zelechowski
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Februar-Ausgabe des pfm-Magazins.
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