Beigetragen hat dazu sicher der Sparzwang der Finanzkrise, aber auch der Wille zu energieeffizienteren Systemen. Der Bedarf nach Green IT ist in letzter Zeit deutlich gestiegen. So wird die kommende CeBIT 2010 bereits zum zweiten Mal mehrere Schwerpunkte auf Energieeffizienz setzen und so auch den Weg für neue Innovationen bereiten. Eine Premiere ist auch die Zusammenarbeit des deutschen Umweltministeriums mit der weltgrößten Leitmesse für die Informatikbranche. Ernst genommen wird das Thema auch auf Europas höchster Entscheidungsebene, der EU. Die für die IT-Branche zuständige Kommissarin Viviane Reding hat verkündet, dass sich die gesamte Informations- und Telekombranche – ähnlich wie die Autobranche – bemühen soll, ihren CO2-Ausstoß um 20 Prozent zu reduzieren. Ob dafür ein Gesetz kommen soll, ließ Reding bis jetzt offen.
Einsparungspotenzial
Zu Bereichen in der IT, in denen klares Einsparungspotenzial herrscht, zählt Reding vor allem Videokonferenz-Technik und RFID in der Logistik. Neue Entwicklungen und Innovationen können laut Reding die Wirtschaft ankurbeln helfen. Reding: "Wir stecken diese Ziele im Interesse des Klimaschutzes." Wer das für übertrieben hält, sollte sich einmal folgende Basisdaten zu Gemüte führen: Die gesamte IT-Infrastruktur der Welt trägt zu rund zwei Prozent zum CO2-Ausstoß auf dem Planeten bei, das ist in etwa so viel wie der gesamte Flugverkehr. Ein mittelgroßer Server, der rund um die Uhr läuft, trägt an seinem Energieverbrauch gemessen so viel zur negativen CO2-Bilanz bei wie ein durchschnittlicher Geländewagen. In Industrieländern fressen IT-Anlagen bereits bis zu zehn Prozent der gesamten Stromerzeugung.
Monitoring
In der Theorie sind natürlich alle IT-Manager Feuer und Flamme, den Stromverbrauch in ihren Datacentern zu senken, wenn auch meist eher aus Spargründen als aus Umweltbewusstsein. Jedoch – und obwohl die Techniken heute zur Verfügung stehen -, tun sich viele Verantwortliche schwer, weil sie nicht wissen, wo sie ansetzen sollen. „Obwohl das Thema Green IT und Energieverbrauch in vielen Unternehmen auf der Agenda ist, haben viele Manager offenbar das Gefühl, Wichtigeres zu tun zu haben“, beklagt Gartner-Experte Rakesh Kumar. In erster Linie müssten Unternehmen mit einem umfangreichen Monitoring ihres Energieverbrauchs beginnen, um zu wissen, wo sie beim Sparen ansetzen sollen und wo neue, umweltfreundliche Technologien benötigt werden. Gartner warnt allerdings IT-Manager, dass es ohne eine differenzierte Messung und Auswertung des Stromverbrauchs im Rechenzentrum nicht möglich sei, die Energiekosten dauerhaft zu senken und Compliance-Anforderungen einzuhalten.
Optimierte Rechenzentren
Die Frage ist also: Wo sind die größten Energieverbraucher in einem IT-System? Es beginnt natürlich in der Rechenzentrumsinfrastruktur, wo mit einer gut abgestimmten Klimatisierung und mit energieeffizienten Servern ein guter Teil des Einsparungspotenziales verborgen liegt. Aber auch durch Software und Betriebssysteme kann Energie gespart werden, etwa durch Senkung des Speicherbedarfs durch bessere Storage-Software und optimierte Network Applications. Durch die Rücknahme von energiefressenden Einzelplatzcomputern und deren Ersatz durch Thin Clients und die Einführung von Server-Based Computing sind ebenfalls Energiesparpotenziale auszuschöpfen. Und letzten Endes kann die Organisation von Workflows und Planungsabläufen einen großen Spareffekt mit sich bringen: Das reicht von Video-, Telefon und Webconferencing für schnellere Entscheidungen und zur Vermeidung von überflüssigen Dienstreisen bis zu Home-Office- und Telearbeitsmodellen. Zu den Unternehmen, die sich der Green IT verschrieben haben, gehören unter anderem IBM, HP oder Fujitsu. Natürlich ist Green IT für die großen Anbieter ein wichtiger neuer „Geschäftsfall“, mit dem neue Geräte und Systeme verkauft werden können, und viele gehen aus diesem Grund massiv ins Marketing mit „Green IT“. Diese Vereinnahmung ist aber ein allgemeiner Effekt bei Umweltbestrebungen, die Innovationen brauchen, ohne die Mithilfe der Industrie aber nicht bekommen.
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November 2009 / Arno Maierbrugger
Den gesamten Artikel lesen Sie in der November-Ausgabe des pfm-Magazins.
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