Nach dem Windows Vista-Debakel lastet hoher Druck auf Microsoft. Die ganze Welt wartet auf Windows 7. Vor allem Unternehmen müssen sich bald entscheiden, wohin die Reise nach Windows XP geht. Für Microsoft selbst ist das neue Windows existenziell.
Microsoft hat auf seiner Entwicklerkonferenz Teched 2009 Mitte Mai angekündigt, dass Windows 7 im vierten Quartal verfügbar sein wird. Einerseits noch rechtzeitig um es den Konsumenten einfacher zu machen neue Notebooks unter den Weihnachtsbaum zu legen, andererseits um Investitionsentscheidungen vieler Unternehmen vor Jahresende noch für sich zu gewinnen. Deshalb auch klare Aussagen diesbezüglich auf der Teched: „Wir empfehlen Unternehmen, die jetzt noch Windows Vista testen, stattdessen besser den Release Candidate von Windows 7 zu prüfen“, so ein Sprecher. Windows 7 RC sei die Plattform der Wahl für Nutzer, die eine Client-Migration in Erwägung ziehen, sagte der für das Windows-Geschäft zuständige Senior Vice President Bill Veghte in seiner Rede. Veghte versprach gleichzeitig aber auch denjenigen Unternehmen Investitionsschutz, die bereits Vista einsetzen.
Doch es werden auch andere Stimmen laut: Ein Manager des Hardware-Herstellers Dell hat in einem Interview vor der neuen Preispolitik gewarnt, da Windows 7 deutlich teurer sein werde als das vorausgegangene Betriebssystem von Microsoft. „Ich kann ihnen sagen, dass die Retail-Preise weitaus höher sein werden als bei Vista“, so Darrell Ward, Director Product Management für Dells Business Clients. Es sei naiv, zu glauben, dass man in wirtschaftlich harten Zeiten den durchschnittlichen Preis erhöhen könne, ohne dabei Käufer zu verlieren. Beispielsweise werde etwa Windows 7 Professional, das Windows Vista Business ablösen soll, deutlich teurer sein, so Ward.
Wenn es etwas gebe, das die Verbreitung von Windows 7 beeinflussen, verlangsamen oder gar stoppen könne, dann die Tatsache, dass der ASP (Average Selling Price, durchschnittlicher Verkaufspreis) höher sei als bei Vista und XP. Vom Preis abgesehen sieht Ward ein großes Interesse an Windows 7 – deutlich größer als bei Vista. „Wir haben eine große Zahl von großen und kleinen Kunden, die tatsächlich auf Windows 7 warten oder bereits Pläne für den Umstieg haben. Diese Kunden fragen Dell um Hilfe, und dieser Bedarf ist weit höher als noch in der Vergangenheit.“ Derzeit setzt noch über die Hälfte aller Dell-Kunden auf Windows XP. Das ist eine Zahl, die weltweit vermutlich noch höher liegt. Ward begrüßt daher auch den so genannten XP-Modus, den Windows 7 eingebaut hat. Über diese Emulation könnten viele Kompatibilitätsprobleme eingedämmt werden, sagte er. Das pfm-Magazin hat sich die neuen Funktionen, auch in Hinblick für den Unternehmenseinsatz, genauer angesehen.
Schneller als Vista Der erste Eindruck nach dem Aufsetzen des Release Candidate: Windows 7 ist viel schneller als Windows Vista. Doch das ist wohl eher eine subjektive Empfindung, die vor allem auf Antwort- und Reaktionszeiten beruht. Es geht darum, mit welcher Verzögerung ein Rechner sichtbar auf Benutzereingaben reagiert. Diese Verzögerung beträgt oft nur wenige Millisekunden. Trotzdem führt sie dazu, dass die „gefühlte Geschwindigkeit“ recht langsam wirkt.
Die Probleme mit Windows Vista lassen sich vor allem darauf zurückführen, dass Microsoft von XP zu Vista das gesamte Speichermanagement verändert hat. Insbesondere die Nutzung des Betriebssystem-Caches wurde neu entwickelt. Mit Windows 7 hat Microsoft große Fortschritte erzielt. Der Betriebssystem-Cache wird nun so effektiv verwaltet, wie man es von anderen Betriebssystemen, etwa Unix, seit 20 Jahren kennt.
Hauptspeicherbedarf bleibt hoch Technisch ging es bei der Windows 7-Entwicklung vor allem darum, die Probleme mit Vista auszumerzen, die dazu geführt haben, dass viele Anwender vom Windows 7-Vorgänger enttäuscht waren. Neue Funktionen des Kernels und des Win32-Subsystems standen nicht auf der Agenda. Es galt vielmehr, die bestehenden Funktionen in ihrer Performance deutlich zu verbessern. Windows 7 löst jedoch nicht alle Probleme, die Vista verursacht hat. Der Hauptspeicherbedarf ist im Vergleich zu Vista nicht gesunken. Auch Windows 7 hat ein realistisches Minimum von zwei Gigabyte. Erst dann bremst die Festplatte das System nicht mehr durch ständiges Swapping (hin- und herschaufeln von Hauptspeicherdaten) aus. Windows XP kommt mit weniger Speicher zurecht. Ein Gigabyte sind mehr als ausreichend, oft reichen 512 Megabyte. Die Marktpreise für Hauptspeicher sind allerdings niedrig genug, so dass man seinen Rechner ohne größere Kosten aufrüsten kann.
Juni 2009/ Klaus Lackner
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Juni-Ausgabe des pfm-Magazins.