pfm-Magazin: Seit 1. April haben Sie aus dem Firmennamen Siemens verloren und heißen nun nur mehr Fujitsu. Wer ist Fujitsu?
Wolfgang Horak: Die Frage ist, wo man diese Frage stellt. In Japan ist Fujitsu die Nummer 2 und auch in den USA wohlbekannt. Österreich hat aber kaum eine Vergangenheit mit Fujitsu. Faktum ist: Wir sind ein Unternehmen mit 60 Milliarden Dollar Umsatz, 170.000 Mitarbeitern und die Nummer 3 am Weltmarkt hinter HP und IBM.
pfm: Wo liegen die Schwerpunkte von Fujitsu?
Horak: Der Umsatz wird zu 100 Prozent mit IT erzielt. Fujitsu Siemens war 1999 als 50 - 50 Joint Venture zwischen Siemens und Fujitsu gegründet worden, was hervorragend funktioniert hat. In der Zwischenzeit fokussiert sich Siemens aber auf die drei Säulen Medizintechnik, Industrie und Energie – IT ist keine Kernkompetenz mehr und daher der Rückzug verständlich. Für Fujitsu ist hingegen IT die Kernkompetenz. Daher ist das für uns der beste Shareholder, den man sich denken kann. Dazu denken die Japaner eher in Dekaden als in Quartalen.
pfm: Wie gliedert sich der Umsatz?
Horak: Fujitsu hat ein breites Portfolio an Notebooks, das wir auch zur Erweiterung unseres Angebots nutzen werden. Dann gibt es ein komplettes Client-Portfolio und wir werden den Bereich Server und Storage samt zugehörigen Dienstleistungen verstärkt ausbauen. In Europa werken derzeit rund 10.000 Mitarbeiter bei Fujitsu Siemens Computers, wenn wir die ‚Familie‘ zusammenrechnen, sind wir rund 32.000 Leute. Also machen wir auch in Europa einen kräftigen Sprung nach vorne. Ab sofort sind wir ein globales Unternehmen und können damit Kunden, die selbst global tätig sind, wesentlich besser unterstützen.
pfm: Was passiert mit den alten Siemens Kunden, die noch das Betriebssystem BS2000 verwenden?
Horak: In Österreich haben wir noch eine installierte Basis von rund 60 Systemen bei 28 Kunden. Wir haben im vorigen Quartal drei Neusysteme abgeschlossen. Dieses Geschäft lebt noch weiter, und es wird sogar wieder verstärkt ein Thema mit der Virtualisierung – als Mainframe-Technologie in neuem Gewand. Ich selbst habe 1978 bei Burroughs auf diesen Systemen als Systemanalytiker begonnen und deshalb eine ziemliche Affinität dazu.
pfm: Geben Sie uns einen Überblick über das Geschäft in Österreich.
Horak: Bis Dezember sind wir doppelt so schnell gewachsen wie der Markt und wie der Marktführer und sind die klare Nummer 2. Bis Dezember haben wir ein hervorragendes Jahr gehabt, im Januar ist das Geschäft so weitergelaufen, im Februar haben wir die Vorgaben erreicht, im März schwitzen wir. Bisher habe ich noch keinen CIO getroffen, der im Jahr 2009 ein höheres Budget hat als 2008. Ich habe jetzt auch eine AMS-Meldung mit insgesamt 35 Leuten, davon 11 echte Kündigungen und 24 andere Maßnahmen wie Altersteilzeit. In Summe geht es uns gut in Österreich, aber auch wir können uns nicht der Tatsache entziehen, dass bei der IT gespart wird. Es trifft uns aber gering, denn wir haben schon vor zwei Jahren in Wien ein Kompetenzzentrum für Virtualisierung gegründet. Wir haben deshalb einen guten Namen und viele Unternehmen gehen das Thema jetzt mit uns an. Neun der Top-10 Unternehmen in Österreich sind unsere Kunden.
pfm: In der letzten beim Firmenbuch abgegebenen Bilanz per 31.3.2006 haben Sie einen Umsatz von 187 Millionen Euro ausgewiesen. Wie hat sich das seither entwickelt?
Horak: Durch den Übergang der Eigentümer gibt es derzeit keine Zahlen auf Landesebene. Allerdings haben wir schon im Vorjahr den Umsatz per 31.3.2008 mit 282 Millionen Euro bekannt gegeben.
pfm: In den Zahlen 2006 sind 76 Millionen Euro an Auslandsumsätzen enthalten ...
Horak: Wir sind seit 1. Dezember 2008 das Headquarter für Südosteuropa und aus Österreich wurden schon immer Länder wie Rumänien und Bulgarien betreut, deren Umsätze in unserer Bilanz aufscheinen. Dazu kommt eben nun auch die Verantwortung für Länder wie Schweiz, Ungarn, Griechenland oder Türkei, in denen aber eigene Landesgesellschaften bestehen. Fujitsu hat das Jahr 2009 zum Jahr der Globalisierung erkoren und deshalb auch die Anteile von Siemens erworben. Konzernstrategie ist, dass wir das Rechenzentrumsstandbein verstärken. In den Ländern wo wir bisher über Distributoren vor allem das Desktop- und Notebookgeschäft gemacht haben, wollen wir also verstärkt auf Server, Storage und entsprechende Dienstleistungen setzen und dafür werden wir eine andere Struktur benötigen.
pfm: Nochmal zurück zu Österreich.
Horak: Laut IDC haben wir den zweiten Platz und wachsen stärker als der Markt. Dies auch deshalb, weil wir ein anerkannter Partner für die Virtualisierung sind. Bei vielen der gewonnenen Großunternehmen sind wir in der Anfangsposition, während andere sehr hohe Marktanteile haben. Wir können in Richtung Virtualisierung daher gut beraten, ohne unsere eigenen Installationen zu kannibalisieren.
pfm: Ab Anfang April gibt es nur mehr Fujitsu ohne Siemens. Was wird sich alles ändern?
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April 2009 / Peter F. Mayer
Den gesamten Artikel lesen Sie in der April-Ausgabe des pfm-Magazins.
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Suchbegriffe: Fujitsu auf dem Weg zur globalen Virtualisierung