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Digitale Lesewelten

 
 

Der E-Book-Reader „Kindle“ von Amazon und nicht zuletzt der iPad von Apple haben die Diskussion um elektronische Buch-Lesegeräte zuletzt wieder angeheizt. Was gibt der Markt her?

Bei E-Books ist sich die Fachwelt uneinig: Die einen meinen, es handelt sich um die Zukunft des Lesens schlechthin, die anderen sagen, diese Geräte haben keine Zukunft, weil der Markt für traditionelle Bücher nicht einfach durch digitale Geräte gebrochen werden kann. Fakt ist, dass der Markt für E-Books trotz guter technischer Lösungen schleppend anläuft. Random House, die größte englischsprachige Verlagsgruppe der Welt und zweitgrößte im deutschsprachigen Raum, hat kürzlich erklärt, am deutschsprachigen Markt 2009 rund 100.000 eBooks verkauft zu haben. Das sei zwar nur etwa ein Prozent vom Umsatz, erklärt Frank Sambeth, Manager für Neue Medien bei Random House, aber immerhin eine Verzwanzigfachung des Umsatzes in diesem Bereich. In den kommenden Jahren sollte der Umsatzanteil von den elektronischen Büchern am gesamten Verlagsgeschäft auf fünf Prozent ansteigen, hofft Sambeth. Das deutsche Portal Libreka, ein Projekt des deutschen Buchhandels, stellt derzeit die größte Volltextdatenbank für lieferbare deutschsprachige Titel zusammen und bietet diese zum digitalen Lesen im Internet und auch auf E-Books an. Libreka haben sich bereits mehr als 1200 Verlage und 600 Buchhandlungen angeschlossen, 120.000 Titel sind bereits eingestellt. Davon können über 15.000 als E-Book gekauft werden. „Wir gehen davon aus, dass sich der Markt ähnlich wie in den USA entwickelt. Dort haben die Anbieter über mehrere Jahre hinweg das Angebot an Lesegeräten und verfügbaren E-Book-Titeln ausgebaut, bevor es attraktiv genug für die Leser war“, sagt Ronald Schild, Geschäftsführer des Libreka-Betreibers MVB. „Zum ganz großen Durchbruch bedarf es also einer überzeugenden Auswahl nutzerfreundlicher Reader sowie eines attraktiven Angebots.“ Der Marktanteil an E-Books in den USA lag nach Marktbeobachtern Ende 2009 bei vier bis fünf Prozent vom gesamten Lesemarkt. Dieselben Experten meinen aber, dass bereits in zehn Jahren mit den digitalen Büchern mehr Umsatz generiert werde als mit gedruckten Büchern. Schild meint allerdings auch, dass das Preismodell und digitale Texte den Ausschlag für die Akzeptanz geben werde: „Erst wenn der Preis eines E-Books dem Leser gefällt, ist dieser auch bereit ihn zu zahlen – und sucht sich sein Angebot nicht in illegalen Tauschbörsen“, so Schild. „Verlage müssen daher neue Preismodelle finden.“

Mehrwert-Modelle
Dazu gehören vor allem Mehrwertmodelle, vor allem etwa bei Ratgebern, zum Beispiel Reiseführer mit integriertem Navigationssystem, Blogs von anderen Reisenden, Veranstaltungskalender und dergleichen. Multimediale Inhalte hätten das Potenzial, das Buch deutlich aufzuwerten, so Schild. Jedenfalls ist das Angebot an Lesegeräten derzeit im Wachsen inbegriffen. Den Ausschlag für die neue Aufmerksamkeit hat der Kampf der beiden Anbieter Amazon mit dem Lesegerät Kindle und Apple mit seinem neuesten Produkt, dem iPad, gegeben. Dazu haben sich zwei technische Standards für E-Books mehr oder weniger durchgesetzt. Es handelt sich dabei um EPUB („Electronic Publication“), ein offener Standard für vom International Digital Publishing Forum, und natürlich Adobes PDF-Standard. Beide werden vom Großteil der Verlage bereits verwendet, wobei EPUB derzeit die größeren Chancen auf den Branchenstandard zugesagt werden. „Das E-Book hat natürlich viele praktische Vorteile“, sagt Schild. „Man kann es einfach und schnell aus dem Netz herunterladen, im Volltext durchsuchen, Notizen und Markierungen anlegen. Ganze Bibliotheken kann man in einem kleinen Reader permanent bei sich tragen“.

Vielfalt am E-Book-Markt
Eines der Lesegeräte, dem großes Marktpotenzial vorausgesagt wird, ist Amazons Kindle. Mit diesem Reader können elektronische Bücher, elektronische Zeitschriften und andere Texte von der Amazon-Plattform per fixer und mobiler Breitbandverbindung heruntergeladen und gelesen werden. Amazon bietet für sein Gerät nach eigenen Angaben derzeit rund 350.000 elektronische Bücher und eine Reihe von elektronischen Zeitungen überwiegend in englischer Sprache an. In Europa ist der Kindle wohl erhältlich, doch sind die Verhandlungen mit diversen Mobilfunkanbietern noch nicht vollständig erfolgt. In Österreich gibt es den Kindle seit Oktober 2009, Lesestoff kann allerdings nur von der US-Webseite von Amazon heruntergeladen werden. Unter den Konkurrenten zum Kindle befindet sich das iPad von Apple, ein Tablet-Computer mit Touchscreen. Neben dem Musik- und Videomarkt ist auch der E-Book-Markt erklärtes Ziel des iPad. Mit fünf Verlagen in den USA hat Apple bereits entsprechende Verträge abgeschlossen und will Bücher in seinem neuen iBookstore vertreiben. Neben den Produkten der beiden Branchenriesen sind allerdings auch andere Geräte auf dem Markt, die den E-Book-Sektor erobern wollen. Dazu gehört vor allem der Sony Reader von Sony, dessen Display auf einer Variante des elektronischen Papiers basiert. Seit März 2009 gibt es den Sony Reader bereits in Europa, auch eine Version mit einem UMTS-Modem ist erhältlich. Sony bietet Literatur nicht nur über seinen eigenen Bookshop an, sondern ist auch eine Kooperation mit Google eingegangen, der die halbe Million Bücher seines Digitalisierungsprojektes gratis über den Sony Reader anbietet. Ein weiteres Lesegerät ist der iLiad von Philips beziehungsweise dessen Tochterfirma iRex Technologies. Das Display besteht aus elektronischem Papier und kann auch zum Schreiben verwendet werden. Mit an Bord ist ein WLAN-Modem. Die Kollektion der iLiad-Bibliothek umfasst derzeit nach Eigenaussage der Firma rund 10.000 Bücher. Das Gerät wird mit 50 bereits geladenen Bestsellern verkauft. Das Cybook ist ein Lesegerät, ebenfalls mit einem Display aus elektronischem Papier, das vom taiwanesischen Hersteller Netronics gebaut und über die französische Firma Bookeen vertrieben wird. Bücher können über BooksOnBoard heruntergeladen werden, dem nach eigenen Angaben weltgrößten Anbieter von (englischsprachigen) eBooks. Ein weiterer Konkurrent istdas Bebook, ein Handelsname für ein Lesegerät des chinesischen OEM-Herstellers Jinke. Unter dem Namen BeBook wird es in Europa von dem niederländischen Unternehmen Endless Ideas vertrieben. Das Display basiert auf elektronischem Papier und entspricht in seinen Funktionen weitgehend dem Kindle, dem iLiad und dem Sony Reader. Der Readius von Philips wird als erster Taschen-Book-Reader vermarktet, hauptsächlich wegen seines rollbaren Displays. Heruntergeladen können Bücher per integriertem Breitband-Mobilmodem über ein spezielles Webportal werden, das eigens angepasste Formate für den Readius bereitstellt. Die Firma Plastic Logic hat einen E-Book-Reader namens Que proReader vorgestellt, das sich vor allem an Geschäftskunden richtet. Es kann neben den Office-Formaten Word, Excel und Powerpoint auch Adobe-PDF-Dokumente sowie elektronische Ausgaben von Zeitungen, Magazinen und Büchern darstellen. Gebaut wird das Gerät in Deutschland (Dresden). In Europa soll es allerdings erst 2011 erhältlich sein. Zuerst soll die Nachfrage in den USA bedient werden, wo bereits Mobilfunk- und Medienpartner unter Vertrag sind.

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April 2010 / Arno Maierbrugger

Den gesamten Artikel lesen Sie in der April-Ausgabe des pfm-Magazins.

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