Die besten Flops des Jahrzehnts

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Der DVB-H Flop.  Vor einem Jahr wurde mobiles TV mit großem Hype gestartet. Seither ist nichts mehr davon zu hören. Erinnern Sie sich noch an die erbitterten Schlachten der Bieterkonsortien um die DVB-H-Lizenz? Fernsehen am Handy sollte unbedingt vor der EURO verfügbar werden, damit man das großartige Fußballfest jederzeit und überall verfolgen könne. Nachdem ursprünglich nur One und 3 DVB-H angeboten haben, ist dann auch die Mobilkom aufgesprungen.

Wie wichtig DVB-H von diesen Anbietern genommen wird, lässt sich daraus ableiten, dass seit der Einführung keine Marketingaktion mehr gemacht wurde und das Angebot auch nicht beworben wird. Der Grund dafür liegt offenbar daran, dass TV am Handy einfach nicht die erwartete User Experience bieten kann, dazu ist der Screen zu klein und man sieht zu wenig. Wie es scheint, wird DVB-H als einer der Flops in die Geschichte eingehen. Man darf gespannt sein, wie lange der Betrieb noch aufrecht erhalten wird.

Der Location Based Flop. Vor zehn Jahren präsentierten Mobilfunker erstmals die so genannten Location Based Services (LBS): Auf einem Portal konnte man sich die nächste Apotheke oder den nächsten Bankomaten anzeigen lassen. Dann kam die Idee, dass man seine Freunde (Buddies) wissen lassen konnte, wo man sich gerade aufhält. In die Entwicklung wurden Unsummen versenkt, genauso wie in die WAP-Portale. Der kommerzielle Erfolg blieb durchaus überschaubar.

Umso erstaunter war ich, als ich kürzlich beim Vortrag des Marktiers eines Handyherstellers wieder vom Erfolgskonzept LBS hörte. Als Beispiel musste herhalten: „Sabrina, ich sehe Du bist gerade am Naschmarkt, nimmst Du bitte noch einen Salat mit.“ Ein durchaus nützliches Beispiel. Dem ich noch einige weitere hinzufügen möchte: „Sabrina, ich sehe, Du bist gerade wieder in dieser teuren Boutique in Mödling. Du hast doch eh genug zum Anziehen.“ Oder dieses: „Sabrina, ich sehe Du bist beim Kurt. Das ist ein Scheidungsgrund!“ Oder noch eines: „Sabrina, warum hast Du Dein LBS ausgeschaltet. Bist Du vielleicht beim Kurt?“

Von Beratungsfirmen und Verkäufern von Business Intelligence Software wird auch ein anderes Szenario beschworen: das des Mobile Advertising. Du gehst bei einem Geschäft vorbei und erhältst die Message, dass es gerade eine Aktion mit billigen Jeans gibt. Und kaufst sie natürlich sofort. Das wollen sicher ganz viele Leute, denn hier – so die Berater und Verkäufer – wird dem Mobilfunkkunden ein echter Mehrwert geboten. Deshalb hat es sich so gut durchgesetzt ...

Es gibt sehr wohl sinnvolle Anwendungen von LBS. Zum Beispiel in einer Baumaschine um zu verhindern, dass sie am Wochenende für „Nachbarschaftshilfe“ eingesetzt wird. Oder wenn Mitarbeiter einer Facility Management Firma ihre Tätigkeit via Handy mit Ortsbestimmung dokumentieren. Aber dafür braucht es der Zustimmung des Betriebsrates oder des Mitarbeiters!

Der Vista Flop. Vor kurzem bekam ich ein nigelnagelneues Handy zum Testen. Mit Symbian als Betriebssystem. Also, ein nicht gerade neues und ziemlich weit verbreitetes Handy-Betriebssystem. Weil mein Notebook gerade wieder einmal die Hauptplatine in das digitale Nirwana verabschiedet hatte, musste ich meiner Tochter deren Laptop entziehen. CD ins Laufwerk, zehn Minuten später herrschte volle Connectivity zwischen Note und Handy. Via Bluetooth.Aber dann war mein freundlicher Begleiter wieder aus dem digitalen Nichts ins analoge Dasein zurückgekehrt. Allerdings mit Vista. Und – siehe da: Nichts. Also, genau gesagt, sie suchten einander, aber fanden sich nicht. Mein nigelnagelneues Symbian Handy und mein Vista-bewehrtes Notebook – sie fanden einander nicht.

Das ist beileibe nicht das einzige Beispiel. Fast drei Jahre nachdem Vista auf den Markt kam, funktioniert Peripherie oder Fremdsoftware noch immer nicht oder nicht einwandfrei im Zusammenspiel mit Vista. Nun hört man, dass Windows 7 nicht mehr und nicht weniger als ein Servicepack von Vista, aber nur unter neuem Namen, sein soll. Schöne Aussichten!

Der docx-Flop. Mit Office 2007 brachte Microsoft neue Dateiformate, die sich in drei Jahren bis heute noch immer nicht durchgesetzt haben. Selbst Microsoft versendet Presseinfos nach wie vor im alten .doc Format um sicherzugehen, dass jeder die Dokumente lesen kann. Die Vorteile der neuen Formate sind eben verschwindend gering und waren nur eine Marketingmaßnahme um den Verkauf anzukurbeln – genauso wie die Schnittstellenänderungen von Vista gegenüber XP. Diese Schüsse sind aber eindeutig nach hinten losgegangen, haben sie doch die Verkäufe eher behindert denn gefördert.

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