Wer sich den Katalog eines Baumarktes ansehen will, kann das bereits online tun. Rasches Durchblättern erzeugt auf der Leitung einen Durchsatz von bis zu zwei Mb/s. Auch dieses Magazin ist in allen Ausgaben seit Anfang 2008 als eBook online unter www.pfm-magazin.at verfügbar und man erreicht beim Durchblättern eine durchschnittliche Datenrate von mehr als drei Mb/s – so man über einen ausreichend breitbandigen Anschluss verfügt. Auch der ORF bietet Champions League Spiele bereits online als Videostream an, mit einer Downloadrate von 0,6 Mb/s. Allerdings in einer eher lausigen Qualität. Und auf YouTube finden sich bereits Angebote in HD-Qualität.
Immer mehr Produkte – Videos, Musik, Bücher, Software oder Wetten – werden digital ausgeliefert. Und machen die Netze zu. Also ist Ausbau der Kapazitäten angesagt und nötig. Nicht nur in Österreich, sondern weltweit sind aber dank der Konkurrenz die Preise beim Endkunden so weit verfallen, dass der Ausbau damit nicht mehr finanziert werden kann. Die Aufrüstung eines Kabelanschlusses auf eine Bandbreite von 100 Mb/s kostet etwa 250 Euro, eines VDSL-Anschlusses mit 50 Mb/s etwa 1000 Euro und ein Glasfaseranschluss etwa 1400 Euro. Mit Preisen von um die 30 Euro pro Monat bei Endkunden ist das nicht mehr finanzierbar. Und davon müssen ja auch die Aggregationsnetze, die so genannte Second Mile, der Backbone und die internationalen Verbindungen betrieben werden.
Die Profiteure
Am meisten profitieren die Unternehmen, die ihr Business rein digital ausgerichtet haben. Beispiele dafür sind Amazon, bwin, Google, Skype, Apple mit iTunes oder eBay. Aber auch ein Baumarkt profitiert, wenn er weniger Kataloge drucken muss, da die Kunden sich diese online ansehen. Für ihre fette Anbindung zahlen sie aber nur den Marktpreis – und die sind genauso im Keller wie bei den Endkunden.
Da sich der Verkehr derzeit rund alle neun Monate verdoppelt, wie Erwin Teufner, CTO von Alcatel Lucent Austria, berichtet, warnen Experten vor zunehmenden Engpässen und Verzögerungen beim Datentransfer. Wenn aber ein Anbieter von Sportwetten seine Kunden nicht mehr zuverlässig und in kürzester Zeit erreichen kann, dann muss er mit Umsatzausfällen rechnen.
Netzwerkklassen
Für viele Contentanbieter wird es also zunehmend wichtig mit ihren Kunden mit höchster Priorität Daten austauschen oder einen Videostream ohne Unterbrechungen liefern zu können. Wenn vor dem entscheidenden Torschuss das Bild einfriert wird kein Kunde begeistert sein. Ob eine Mail ein paar Minuten mehr oder weniger braucht ist hingegen weniger von Bedeutung. Man spricht von unterschiedlichen Levels der Quality of Service (QoS). Voraussetzung dafür sind allerdings intelligente Netze, die von der Content-Quelle über den Backbone, dem Aggregationsnetz, bis hin zum Empfänger eine entsprechende Priorisierung der Datenströme durchführen kann.
Heutige Netze
Die Telekom Austria TA AG hat einen Backbone, der bis 1600 Gb/s befördern kann. Sie bietet auf Basis ihrer internationalen Infrastruktur Datenleitungen für Großkunden und andere Telekom-Unternehmen zwischen deren Sammelpunkten für Endkundenanschlüsse. Die maximale (derzeit technisch machbare) Bandbreite beträgt zehn Gbit/s pro Leitung. Das ist gleichzeitig die Bandbreite an der Kundenschnittstelle. Die TA offeriert aber auch Bandbreiten von zwei Mb/s bis 155 Mbit/s auf Basis ihrer SDH Komponenten oder Ethernet mit 10/100/1000 Mbit/s (LAN/WAN) an. Für Endkunden reicht das Portfolio bei ADSL bis acht Mb/s im Downstream, bei ADSL2+ bis 16 Mbit/s Downstream und im Upstream bis 1 Mbit/s. Normale Business-Lösungen reichen bis 16 Mb/s synchron. Kabelanbieter schaffen dagegen bereits bis zu 100 Mb/s für Endkunden.
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Interview mit Harald Himmer, Generaldirektor Alcatel Lucent Austria AG
pfm: Warum brauchen wir schnelleres Breitband und mehr Downloadvolumen? Was sind die wesentlichen Treiber für das Wachstum?
Harald Himmer: In den letzten Jahren hat sich das Userverhalten zur Internetnutzung extrem dynamisch entwickelt. Heute gibt es unzählige innovative Services und Applikationen im Web, die nach einem höheren Downloadvolumen verlangen. Man denke beispielsweise an die vielgenannten YouTube, Google, oder Skype. Auch unterschiedlichste Netzwerkplattformen werden von Usern genutzt um Content wie Videos, Musik oder Fotos auszutauschen. Zusammen mit den steigenden Qualitätsansprüchen der User treibt das die Bandbreiten in die Höhe.
pfm: Wie werden sich Bandbreiten und Volumen in den nächsten Jahren entwickeln?
Himmer: Schätzungen zufolge wird das weltweite Datenvolumen im Jahr 2011 ca. 1800 Exabytes betragen – oder anders gesagt zehn Mal so viel wie im Jahr 2006 produziert wurde. Aktuell haben 95 Prozent der österreichischen Haushalte mit Internetanschluss einen Breitbandanschluss. Vor allem im Mobilbereich ist die Nachfrage nach mobilem Breitband-Internet im Steigen – bereits 27 Prozent der Bevölkerung beziehen ihr Internet über einen mobilen Breitbandanschluss. Nichtsdestotrotz bin ich davon überzeugt, dass der Kunde zuhause nicht auf das weitaus größere Leistungsspektrum eines an Breitband angebundenen Heimes verzichten wollen wird. Man denke hier vor allem an die Möglichkeiten, die innovative Services wie HDTV, IPTV oder Connected Home bieten.
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Juni 2009 / Peter F. Mayer
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Juni-Ausgabe des pfm-Magazins.
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Suchbegriffe: Die Netze werden intelligent