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Der Kraftakt zum Grünruck

 
Foto: SXC
 

Über Investitionen in den Energiebereich wollen die USA die Wirtschaft anheizen und ihre Erdölabhängigkeit eindämmen. Bis zum grünen Amerika ist es allerdings ein weiter Weg.

Ein Jahr nach dem Höhepunkt von Barack Obamas Hoffnungswahlkampagne ist die Stimmung schlecht. Trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit im Kongress wirken die Republikaner geradezu entfesselt in ihrer Regierungskritik. Die Spanne reicht von einfacher Ablehnung bis zu wilder Aufwiegelei von Seiten rechter Radio-Talkmaster. Für den Geschmack der Linken wiederum verspricht der Präsident zu viel und handelt zu wenig. Auch würde bei vielen Themen deutlich, dass Obamas Kompromisse zu groß und die Lobbyisten der Industrie zu stark seien.

Wir werden grün
Von der trüben Stimmung unberührt scheint die Entschlossenheit des Landes, sich jetzt oder nie ein grünes Image zu verpassen. Immerhin sollen die 150 Milliarden Dollar, die die Regierung innerhalb der nächsten zehn Jahre in den Bereich Alternativenergie steckt, auch fünf Millionen neue Arbeitsplätze zur Folge haben. Herauskommen soll am Ende eine, wie Obama formuliert, "saubere Energiezukunft": Verlagerung auf erneuerbare Energiequellen, gesenkter Erdölverbrauch und eine erfreulichere Emissionsbilanz.

Dass es den USA ernst ist, scheint für Beobachter festzustehen, seit der Physiker und Klimaschutzexperte John Holdren als Wissenschaftsberater an Barack Obamas Seite geholt wurde. Eine Woche vor der Entscheidung hatte sich der damals noch designierte US-Präsident für „Windfarmen, Solaranlagen und treibstoffsparende Autos“ ausgesprochen. Deutlich wurde die Richtungsänderung schließlich mit der Berufung des Physiknobelpreisträgers Steven Chu zum Energieminister. Chu gilt als Verfechter alternativer Energiegewinnung und setzt sich gegen den Treibhauseffekt ein. Vor seiner Berufung nach Washington leitete er das Lawrence Berkeley National Laboratory, das zum Energieministerium gehört und eines der wichtigsten Energieforschungsinstitute des Landes ist.

Dass die USA einen umfassenden Energieplan benötigen, steht auch bei vielen Konservativen außer Zweifel. Vor zwei Jahren stammten lediglich sieben Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen, das meiste davon, so die Zahlen der Marktforscher von Emerging Energy Research, aus Wasserkraft. Nur etwa ein Prozent geht auf Windnutzung zurück, doch die Tendenz ist steigend. Obama ist längst nicht der erste US-Präsident, der die Energiepolitik der USA unter neue Vorzeichen stellen und die Abhängigkeit von ausländischem Öl eindämmen will. Dies stand sowohl bei Jimmy Carter als auch bei George H. W. Bush am Plan. Doch jedes Mal, wenn der Ölpreis sank, schienen die guten Vorsätze vergessen.

Biobenzin
Mit gut 250 Millionen Autos auf Amerikas Straßen zählen alternative Kraftstoffe zu den wichtigsten Themen. Biobenzin wird derzeit vor allem aus Mais gewonnen. Das treibt nicht nur die Lebensmittelkosten in die Höhe, auch reichen die Mengen produzierten Ethanols für die Versorgung bei weitem nicht aus. Vaclav Smil, Professor an der Fakultät für Umweltwissenschaften der University of Manitoba, rechnete kürzlich vor, dass die USA mit ihrer derzeitigen landschwirtschaftlichen Fläche gerade einmal ein Sechstel ihres Ethanolbedarfs decken könnten. Die Forderung des Kongresses, bis 2020 rund 140 Milliarden Liter Ethanol zu produzieren, lässt sich nur mit neuen Technologien umsetzen. Mit Mais dürfte nicht einmal das Ziel für 2010 – 380 Millionen Liter – erreicht werden. Entsprechend erleben Unternehmen, die organische Abfälle verschiedenster Art in Biotreibstoff umwandeln, ein Hoch: Finanzierungen, sowohl private als auch staatliche, sind trotz Wirtschaftskrise durchaus in Reichweite. Auch stellt die Regierung, entsprechende Wirtschaftlichkeit des Produkts vorausgesetzt, eine Abnahmegarantie von Ethanol in Aussicht. 

Sonne, Wind und Co
Rund 80 Milliarden Dollar flossen aus dem heurigen Stimuluspaket in die Themen Alternativenergie, Infrastruktur und öffentlichen Verkehr. Im Gegensatz zu Ethanol ist die richtige Technologie hier in vielen Bereichen vorhanden. Der wirtschaftliche Erfolg ist oftmals nur eine Frage von breiter Anwendung und damit Massenproduktion. Um etwa Häuselbauer und Besitzer von Einfamilienhäusern auf den Geschmack von Solarsystemen zu bringen, hob die Regierung zu Jahresbeginn den Maximalbetrag für Steuergutschriften von 2000 Dollar auf. Seither lässt sich ein Drittel der Kosten für eine Solaranlage von den Zahlungen ans Finanzamt abziehen und Hersteller reiben sich die Hände. Ebenfalls angedacht ist, für energieeffiziente Häuser künftig bessere Konditionen für Hypotheken anzubieten. Von all dem profitiert auch die Zuliefererbranche, darunter Unternehmen, die etwa Gleichstrom-Wechselstrom-Konverter herstellen oder Lösungen anbieten, mit denen sich das Niedrigenergiehaus vom Büro aus fernsteuern lässt.

Die große "Ernte" von Wind- und Sonnenenergie findet allerdings vorrangig in den Wüsten statt. Tausende Kilometer von Stromleitungen werden hier notwendig, um den Ökostrom zu den Abnehmern zu bringen. Nicht zu vergessen gilt es dabei den allgemeinen Zustand des Stromnetzes, der sich, so Obama, seit der Ära des Schwarzweißfernsehens nicht allzu sehr verändert habe. Geld für ein solches „besseres, intelligenteres“ Stromnetz wurde zwar ebenfalls im Stimuluspaket bereitgestellt, doch die Summen gelten angesichts des Nachholbedarfs als Tropfen auf den heißen Stein.

[...]

November 2009 / Alexandra Riegler

Den gesamten Artikel lesen Sie in der November-Ausgabe des pfm-Magazins.

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