Das elektronische Auge

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Was hält das Thema E-Health für die Zukunft bereit? Fest steht: Die Technik ist nicht Stein des Anstoßes, sondern die soziopolitische Umwelt.

Ungeachtet der viel diskutierten Frage des Datenschutzes im Bereich E-Health ist eines wohl sicher: Der Sektor birgt großes Potenzial, den Alltag kranker Menschen zu erleichtern. Man denke zum Beispiel an ein Kind mit Diabetes: Mit der mobilen e-Health-Lösung von Alcatel Lucent können sich die Eltern jederzeit über den Gesundheitszustand ihres Kindes informieren. Das Messen der Blutzuckerdaten erfolgt auf herkömmliche Art und Weise. Die Geräte sind mit einem Bluetooth-Dongle verbunden und senden diese Daten an Ärzte oder Bezugspersonen weiter. Bei der Überschreitung eines Wertes wird Alarm ausgelöst, und somit rascheres Handeln ermöglicht. Oder ein Bespiel aus Übersee: Auf dem Gebiet von Herzschrittmachern mit Wlan ist mittlerweile der erste alltagstaugliche WiFi-Herzschrittmacher des US-amerikanischen Unternehmens St. Jude herausgekommen, mit dem kardiologische Daten kabellos an eine Überwachungsstation übermittelt werden können.

Das Internet der medizinischen Dinge
Der Begriff vom Internet der Dinge ist bereits länger bekannt. Vereinfacht beschrieben geht es darum, dass jede technische Applikation Teil eines großen Netzwerkes werden und mit diesem interagieren kann.

Günter Schreier, Leiter der E-Health-Gruppe des Safety & Security Departments im AIT (Austrian Institute of Technology), spricht im Zusammenhang mit E-Health vom "Internet der medizinischen Dinge": "Wir beschäftigen uns intensiv mit RFID und NFC. Diese Entwicklungen könnte man im E-Health-Bereich noch weiter denken, nämlich dass man durch Berühren einer  Medikamentenschachtel zusätzliche Informationen darüber erhält oder man darüber in Kenntnis gesetzt wird, wann man welche Medikamente eingenommen hat. Es könnten auch jene Daten, die während körperlicher Trainingsaktivitäten gemessen werden, in das Gesundheitsnetzwerk mit eingespeist werden und in eine Auswertung des Gesundheitszustandes mit einfließen." Dies sei beispielsweise mit der Verbindung eines Ergometers mit dem Handy denkbar, welches die Daten weitersendet. Auch die Inhaltsstoffe von zugeführten Nahrungsmitteln könnten in einen Gesundheitsreport mit eingebunden werden.

Mittels einfachster Hilfsmittel wie dem so genannten Tag Board, können Patienten ihr Wohlbefinden ausdrü-cken: Durch Berühren eines Symbols, auf dem entweder ein lachendes, neutrales oder weinendes Gesicht aufgemalt ist, wird eine Aufzeichnung des Zustandes über mehrere Wochen hindurch möglich. Auch diese Daten könnten in einen Befund mit eingespeist werden. Ein  Finanzierungsmix stellt beim AIT  sicher, dass auf dem Gebiet E-Health geforscht werden kann. Derzeit arbeitet man beim AIT mit einer Reihe von Industriepartnern wie dem Halbleiterhersteller NXP sowie mit einem  japanischen Unternehmen namens A&T an neuen Projekten.

Testreihen
In Österreich haben diverse Krankenhäuser bereits seit längerem E-Health-Lösungen zu Studienzwecken implementiert. So unterstützen beispielsweise die Med Unis Wien und Graz sowie das St. Anna Kinderspital eine europaweite klinische Studie. In letzterem wurden Daten einer seltenen Kinder-Krebsart, Neuroblastom genannt, in ein europaweites Netzwerk eingespeist. Aufgrund der Tatsache, dass die Krebsart sehr selten ist, hätte es anderweitig keine ausreichenden Forschungsdaten für eine Erkenntnisgewinnung gegeben. „Die Einspeisung der medizinischen Bilddaten in ein dafür vorgesehenes Bilddatenmanagement geht bei diesem Beispiel über ein normales, webbasiertes System hinaus“, wie E-Health-Experte Schreier feststellt.

Klärungsbedarf
"
Die technischen Herausforderungen wären weitgehend geklärt. Worauf es aber zusätzlich ankommt ist, wie die Fragen des Kostenaufwandes geregelt werden", wie Günter Schreier konstatiert. Auch der Mehraufwand, der auf der Ärzte- und Apothekerseite entstünde, müsse honoriert werden, ist auch Christian Husek der Ansicht.

Das Argument des Kostenaufwandes scheint ein wenig haltlos zu werden, wenn man einer Kosten-Nutzen-Studie von Debold & Lux Glauben schenken darf: Demnach will die Beratungsfirma herausgefunden haben, dass durch den Einsatz einer E-Medikationsdatenbank ein österreichweites Einsparungspotenzial zwischen 142 und 227 Millionen Euro vorhanden wäre. Durch die genauere Beobachtung könnten bereits im Vorfeld viele Krankheiten erkannt werden – ein Vorteil, der auch den Krankenkassen und Sozialversicherungen zu gute käme. Günter Schreier, berichtet über eine eben publizierte Studie, bei der 60 Patienten mit Herzschwäche per Telemonitoring-Überwachung betreut wurden. Bei der Kontrollgruppe, die nicht mit der E-Health-Technologie konfrontiert wurde, wurden doppelt so viele Krankenhausaufenthalte verzeichnet. Es scheint, als habe das bloße Bewusstsein, dass auf die Patienten ein "elektronisches Auge" geworfen wurde, bereits positive Auswirkungen gehabt. Die oft befürchteten hohen Kosten für solche Systeme müssen demnach auch gegengerechnet werden.

 

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September 2009 / Vera Bauer

Den gesamten Artikel lesen Sie in der September-Ausgabe des pfm-Magazins.

 

 

 

 

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