Der Ende Mai erschienene Frauenbericht zeigt, dass Frauen zwar immer besser ausgebildet sind, jedoch weiterhin deutlich weniger verdienen als Männer. Heute sind bereits 68,6 Prozent der Frauen erwerbstätig. Jedoch ist auch die Teilzeitquote sehr hoch. 2008 waren rund 41,5 Prozent Frauen in dieser Form beschäftigt, jedoch nur 8,1 Prozent der Männer. Auch die Einkommensschere ist in den vergangenen Jahren größer geworden, Frauen verdienen um zirka ein Viertel weniger als Männer (Stand 2007). Bereinigt um Faktoren wie Betriebszugehörigkeit oder Branche bleibt noch immer eine Differenz von 18 Prozent.
Fakten zum Frauenanteil in der IKT-Branche zu finden ist hingegen gar nicht so leicht. Weder das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie noch die Frauensektion des Bundeskanzleramtes erheben hier eigene Daten. Ein im März erschienener Report mit dem vielversprechenden Titel „Women and ICT. Statusreport 2009“ der Europäischen Kommission entpuppt sich schnell als heiße Luft in neuen Schläuchen, denn die verwendeten Daten gehen auf das Jahr 2006 zurück. Gerade in einer sich schnell entwickelnden Branche wie der IKT sind solche Daten jedoch rasch veraltet. Das pfm-Magazin hat deshalb bei den österreichischen Telcos in Sachen Frauenquote in Führungspositionen und Frauen in der Technik nachgefragt.
Österreichische Telcos
Die Telekom Austria Group gab an, insgesamt einen Frauenanteil von 36,4 Prozent zu haben. In der Mobilkommunikation arbeiten zu 51,5 Prozent Frauen, bezogen auf das Festnetz liegt die Frauenquote bei 20,7 Prozent. Der wesentlich niedrigere Frauenanteil im Festnetzbereich ist darauf zurückzuführen, dass es ein sehr techniklastiger Bereich ist und sich hier die klassische Männerdominanz bei technischen Lehrberufen weiterhin zeigt. Mittlerweile sind allerdings schon ein Drittel der rund 300 Kommunikationstechnik-Lehrlinge und Lehrlinge im Bereich Einzelhandelskauffrau/-mann mit Schwerpunkt Telekommunikation weiblich. Nicht zuletzt konnte diese Zahl durch die Teilnahme an Initiativen wie dem Wiener Töchtertag erreicht werden. Die Frauenquote im Aufsichtsrat der Telekom Austria AG konnte in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert werden und liegt aktuell bei 25 Prozent. Die durchschnittliche Frauenquote innerhalb des ATX Prime Market liegt im Vergleich bei lediglich sechs Prozent. Der Frauenanteil in den ersten zwei Management-Ebenen der Telekom Austria Group belief sich im vergangenen Jahr auf rund 20 Prozent, auf die ersten drei Managementebenen bezogen ergibt sich eine Quote von 30,9 Prozent. Zudem verfügt die Telekom Austria über Gleichstellungsbeauftragte und bietet den Mitarbeiterinnen ein Bündel von sieben Maßnahmen im Sinne familienfreundlicher Beschäftigungspolitik.
Bei 3 macht der Frauenanteil im Management 29 Prozent aus und insgesamt liegt er bei 31 Prozent. Auch 3 nützt den Wiener Töchtertag um mehr Mädchen für den technischen Bereich zu begeistern. Orange gab an, insgesamt einen Frauenanteil von zirka 45 Prozent zu haben. Hier sind jedoch auch Call Center-Angestellte mit eingerechnet, da Orange diesen Bereich nicht ausgelagert hat. Traditionellerweise ist dieser Bereich sehr Frauen-lastig, das muss bedacht werden. Im CEO-, CFO- und CSO-Bereich liegt der Anteil laut eigenen Angaben mit über 50 Prozent allerdings auch sehr hoch, im CMO-Bereich liegt er bei zirka 45 Prozent und im CTO-Bereich/Technik bei unter 20 Prozent. Bei UPC sind insgesamt 31 Prozent der Mitarbeiter weiblich, bei den Führungskräften lediglich 18 Prozent. Bei Marketing und Sales herrscht ein ausgeglichenes Verhältnis und innerhalb der Finanz arbeiten mehr Frauen als Männer. Bei UPC soll Frauen der Wiedereinstieg nach einer Schwangerschaft unter anderem durch Elternteilzeit und flexible Arbeitszeiten so leicht wie möglich gemacht werden. Bei unseren Nachbarn hat die Deutsche Telekom im Frühjahr mit einer Quotenregelung für Aufsehen gesorgt. Als erstes DAX-Unternehmen hat sich der Telekommunikationsanbieter einen Frauenanteil von 30 Prozent in den oberen und mittleren Führungspositionen bis zum Jahr 2015 zum Ziel gesetzt. Quotenregelungen sind aufgrund ihres negativen Images für Frauen allerdings nicht überall beliebt und sehr umstritten.
In den Führungsetagen der österreichischen Telcos zeigt sich jedoch größtenteils kein so schlechtes Bild, je technischer jedoch der Aufgabenbereich, desto geringer scheint der Frauenanteil. Petra Jenner, Microsoft Österreich-Chefin, ermutigt Frauen in der Technik: „Technik ist für Frauen nicht schwieriger zu verstehen als für Männer. Ganz im Gegenteil: Zum Glück verstehen immer mehr Unternehmen, dass Diversity die Unternehmenskultur positiv verändert – sie wird anspruchsvoller. Daher ist Frausein in der IT eigentlich eine Riesenchance, wenn man sich vom Mainstream ein wenig abwendet und versucht, auf seine Art Akzente zu setzen. Authentizität und Offenheit sind dabei langfristig entscheidend für den Erfolg.“
Initiativen
Dass Frauen in den technischen Bereichen meist noch in der Minderheit sind liegt allerdings nicht unbedingt in der Alleinverantwortung der Unternehmen und der Industrie. Wie Hilda Tellioglu, Universitätsassistentin an der TU Wien und Leiterin des Arbeitskreises „IT für Frauen“ des Vereins „Österreichische Computer Gesellschaft“ (OCG) erklärt (siehe Interview), fängt das Problem meist schon in der Schule an, wenn Mädchen nicht entsprechend technisch gefördert werden. Das schlägt sich auch auf den Universitäten nieder, wo Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen nach wie vor unterrepräsentiert sind.
Verschiedene Initiativen in Österreich und der EU wollen an diesem Zustand etwas ändern. Von der Europäischen Kommission wurde vergangenes Jahr ein „Kodex für eine vorbildliche Frauenförderung in den IKT“ erstellt, der bereits von 28 namhaften Technologieunternehmen unterzeichnet wurde. Zudem wurde das Online-Tool „European Directory for Women in ICT“ erstellt, das als Meeting Point für Frauen in der europäischen IKT-Branche dienen soll und ein umfangreiches Informationsangebot bietet.
Interview mit Hilda Tellioglu
Universitätsassistentin TU Wien und Leiterin des Arbeitskreises „IT für Frauen“
pfm-Magazin: Wie ist es um den Status Quo von Frauen in der IKT-Branche bestellt? Lassen sich geschlechtsspezifische Unterschiede und Trends ausmachen?
Hilda Tellioglu: Es gibt sicherlich Unterschiede, dass zum Beispiel besser bezahlte Jobs weniger oft von Frauen besetzt werden. Allerdings gibt es hier sehr große Schwankungen je nach Bereich. Während die Technik stärker von Männern besetzt ist, finden sich in der Planung, Qualitätssicherung und Dokumentation eher mehr Frauen. Gefährlich ist es jedoch über allgemeine Trends zu reden, da es sich vor allem in der Technikbranche sehr schnell ändern kann. Betriebe wollen vor allem qualifizierte Mitarbeiter – egal ob männlich oder weiblich. Das Problem liegt jedoch eher in der Ausbildung. Ich habe gehofft, dass sich der Anteil von Studentinnen an der Technischen Universität durch die Einführung des Informatikunterrichts an der Schule erhöhen wird. Jedoch haben Studien gezeigt, dass sich die Zahlen nach der Einführung sogar noch verschlechtert haben. Die Gestaltung des Informatikunterrichts hat Mädchen oft nicht angesprochen und auch die Qualifikation der Lehrer ist oft nur mangelhaft. Die Digital Natives werden dieses Problem jedoch nicht mehr in diesem Ausmaß haben, da sehe ich daher sehr optimistisch in die Zukunft.
pfm: Warum sind technische Berufe für Frauen als Berufsfeld nach wie vor eher unattraktiv?
Tellioglu: Das liegt vor allem an den Arbeitszeiten, denn in der Technik-Branche muss man sehr flexibel sein. Sobald irgendwo ein Problem auftritt, muss man sich auch umgehend darum kümmern. Für Frauen, die Kinder haben und möglicherweise noch Verwandte pflegen, wird das sehr schwierig. Man muss immer und überall erreichbar und abrufbereit sein, oft stellt das einen Widerspruch zum Familienleben dar. Zudem ist die Vernetzung außerhalb der Arbeitszeit nicht zu unterschätzen, viele Karrieremöglichkeiten tun sich über informelle Netzwerke nach der eigentlichen Arbeit auf. Davon sind Frauen aus Zeitgründen meist ausgeschlossen, sobald sie eine Familie haben. Für Frauen in der IKT-Branche ist daher auch die Unterstützung durch den Partner sehr wichtig, denn eigentlich kann man sich in dieser schnelllebigen Branche kaum eine Pause leisten. Pausen können tödlich für den Karriereverlauf sein, jedoch wirken sich hier nach wie vor die klassischen Rollenverteilungen zum Nachteil der Frauen aus. Auch das ständige Lernen, das in der technischen Branche Voraussetzung ist, ist für Frauen mit Kindern oft schwer zu bewerkstelligen. Frauen ohne Kinder sind jedoch genauso flexibel wie ihre männlichen Kollegen, hier sehe ich keinen Unterschied.
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Juli 2010 / Claudia Thon
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Juli/August-Ausgabe des pfm-Magazins.
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