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Clean-IT gegen Ausbeutung

 
Foto: Chris Gregerson, cgstock.com
 

Mit der Kampagne Clean-IT will die Organisation Südwind auf die miserablen Arbeitsbedingungen in der globalisierten Elektronikindustrie aufmerksam machen.

Computer und Co sind für uns mittlerweile Alltagsgegenstände, denen wir über ihre eigentliche Funktion hinaus nicht mehr viel Beachtung schenken. Unter welchen Bedingungen diese Geräte allerdings hergestellt werden, wird meist verdrängt. Die von der Europäischen Union und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit geförderte Südwind-Kampagne Clean-IT will daher mehr Bewusstsein bei Konsumenten und Produzenten schaffen.

Bestandsaufnahme
Der Großteil der elektronischen Produkte wird aus Asien importiert. 25 Prozent der globalen Elektronik-Produktion kommt aus China, bei den Festplatten ist Thailand der größte Exporteur. Die Arbeitsbedingungen der dortigen Arbeiter sind allerdings unmenschlich. „Vor allem junge Frauen sind in der Elektronikindustrie beschäftigt. Sie arbeiten tagtäglich bis zu 16 Stunden am Fließband und gefährden dabei ihre Gesundheit für einen Hungerlohn“, meint Christina Schröder von Südwind. Konzerne werden durch zahlreiche Investitionsförderungen nach Thailand gelockt. Dort können sie bis zu elf Jahre steuerfrei produzieren lassen. Sobald die Steuerpflicht eintritt, nehmen die Konzerne die Möglichkeit in Anspruch, die Firmenstandorte zu schließen und in einer Nachbarprovinz neu zu errichten. Die jeweilige Belegschaft wird dann  meist gänzlich gekündigt. Zudem erhalten die Arbeiter nur einen Mindestlohn von circa 200 Baht beziehungsweise vier Euro. Um überleben zu können, müssen sie zusätzlich Nachtschichten und Überstunden leisten. Zudem fehlt den Arbeitern jegliche soziale Absicherung. Im Falle einer arbeitsbedingten Krankheit bekommen sie keinerlei Entschädigung von ihrem Arbeitgeber und auch die Ärzte sind ratlos, da sie bei der Diagnose einer arbeitsbedingten Krankheit mit einer Klage des jeweiligen Konzerns rechnen müssen. „Kaum einer wagt, eine richtige Diagnose zu stellen und Arbeiterinnen und Arbeiter, die nicht wissen, warum und ob sie krank sind, können sich auch nicht wehren“, erklärt die thailändische Ärztin Dr. Auropan.

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Interview mit Andrea Ben Lassoued, Projektleiterin Clean-IT bei Südwind

pfm: Wie sieht der durchschnittliche Arbeitstag an einem Niedriglohn-Standort aus?
Andrea Ben Lassoued: Das „cleane“ Image der Computerproduktion täuscht. Arbeiter in der Elektronikindustrie sitzen im Durchschnitt 12-16 Stunden auf unbequemen Hockern am Fließband. Viele von ihnen arbeiten bis zu 80 Wochenstunden, der Großteil von ihnen sind Frauen. Giftige Chemikalien, die bei der Herstellung verwendet werden und mangelnde Schutzvorrichtungen stellen eine große Gefahr für ihre Gesundheit dar. Durch den extrem niedrigen Mindestlohn sind die Arbeiter gezwungen zusätzliche Überstunden und Nachtarbeit zu leisten. Ansparen können sie nichts. Wer entlassen wird, hat keine Existenzgrundlage.

pfm: Was fordert Südwind mit der Clean-IT-Kampagne von den Elektronikkonzernen?
Ben Lassoued: Südwind wendet sich mit der Clean-IT-Kampagne an Konsumenten sowie an öffentliche Einkäufer, die mit unseren Steuergeldern Computer in großen Mengen beschaffen. Mit ihrer Unterstützung fordert Clean-IT von den großen Computermarkenunternehmen faire Arbeitsbedingungen in der Produktion. Auch die öffentliche Hand kann ihre große Kaufkraft nutzen um faire Arbeitsbedingungen in der Computerindustrie zu fördern, indem sie soziale Kriterien in ihre Ausschreibung miteinbezieht.

pfm: Wie versuchen die Elektronikkonzerne die schlechten Arbeitsbedingungen an den Niedriglohn-Standorten zu legitimieren?
Ben Lassoued: Die großen Computermarkenunternehmen haben ihre gesamte Produktion an Zulieferfirmen in Billiglohnländer ausgelagert. Für die Arbeitsbedingungen in den Fertigungsstätten fühlen sie sich nicht verantwortlich, obwohl sie ohne diese keine Produkte zum Verkauf anbieten könnten. Clean-IT fordert Markenunternehmen auf, die volle Verantwortung für ihre gesamte Zulieferkette zu übernehmen.

pfm: Inwiefern müsste die Zulieferkette verändert werden um eine menschenwürdige Produktion zu ermöglichen?
Ben Lassoued: Vorerst ist es einmal wichtig die gesamte Zulieferkette offenzulegen. Viele Markenunternehmen sind dazu nicht bereit. Ein großes Problem sind der Zeit- und Kostendruck mit denen Zulieferbetriebe konfrontiert sind. Eine Änderung der Einkaufspraktiken ist notwendig, denn wenn Zulieferbetriebe ihre Produkte zu Dumpingpreisen anbieten und Aufträge in Rekordzeit abwickeln müssen sind eine faire Bezahlung der Arbeiter und menschenwürdige Arbeitsbedingungen nicht möglich.

pfm: Elektronik-Konzerne nehmen sich in letzter Zeit vermehrt dem Thema Green IT und Klimaschutz an. Wird auf den Menschen bisher vergessen?
Ben Lassoued: Diesen Eindruck kann ich nur bestätigen. Die einseitige Konzentration auf Umweltfragen ist allerdings nicht ausreichend. Die Minimierung der in der Computerherstellung verwendeten Giftstoffe wirkt sich zwar positiv auf die Arbeiter in  der Produktion aus, aber die Forderung nach menschenwürdigen Arbeitsbedingungen in der Computerindustrie darf dabei nicht vergessen werden. Clean-IT setzt sich zum Ziel, die Menschen an den Fließbändern ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken.  

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Dezember 2009 / Claudia Thon

Den gesamten Artikel lesen Sie in der Dezember-Ausgabe des pfm-Magazins.

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