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Am schmalen Grat zum Wucher
Bis Ende der 70er-Jahre war alles in Ordnung. Wer beispielsweise in New York wohnte und eine Kreditkarte besaß, konnte sich darauf verlassen, dass er für seine Einkäufe maximal so viel Zinsen bezahlte, wie die Gesetze des Bundesstaates vorschrieben. 1978 fiel diese Beschränkung mit einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, seit 1980 sind national agierende Banken von den Wuchergesetzen der einzelnen Bundesstaaten ausgenommen. Was Elisabeth Warren, Professorin für Rechtswissenschaft an der Harvard School of Law als 'einst sehr rigide Wuchergesetze' beschreibt, wich mit der Reagan-Ära einem freien Markt, der Plastikkarten mit scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten unter die Leute brachte. Kreditrahmen von 5.000 Dollar und mehr sind heute für fast jedermann zu bekommen. Doch nicht jeder zahlt den selben Preis. Das Risiko, Kreditkarten ohne Beschäftigungsnachweis auszustellen, lässt sich die Branche bezahlen. Wer in Verzug gerät, kann oftmals mit einer Verdoppelung der Zinsen rechnen, insbesondere, wenn es um die Bonität nicht gut bestellt ist. Laut einer Studie des New Yorker Marktforschungsinstituts Demos aus dem Jahr 2006 berappen Haushalte mit weniger als 25.000 Dollar Jahreseinkommen doppelt so häufig Zinsen jenseits von 20 Prozent für ihre Kreditkartenschulden als Familien, die 50.000 Dollar verdienen. Eine Karte für alle Fälle Die US-Regierungen der letzten 20 Jahre hielten sich bei Marktregulierungen auffällig zurück. Nicht überraschend scheint es daher, dass Kreditkartenschulden innerhalb der letzten Dekade um ein Viertel zulegten. Ende 2008 lag die durchschnittliche Schuld eines US-Haushalts mit Kreditkarte bei rund 7.000 Dollar. Dass sich die Bevölkerung Werbeslogans wie jenen von Mastercard ('Es gibt Dinge, die man nicht kaufen kann. Für alles andere gibt es Mastercard') zu Herzen zu nehmen schien, war lange Zeit ein gut funktionierender Kreislauf. Die Ausfallsraten finanziell Schwacher wurden über hohe Zinsen aufgefangen. Hinzu kamen Strafgebühren, gut versteckt im Kleingedruckten der Verträge, die laut Expertenschätzungen zuletzt an die 20 Mrd. Dollar in die Kassen der Industrie spülten. Doch dem florierenden Geschäft kam die Rezession in die Quere. Die Arbeitslosigkeit trieb die Ausfallsraten in die Höhe. Und weil nicht nur Hypotheken, sondern auch die Forderungen der Kreditkartenunternehmen als undurchschaubare Wertpapiere in die ganze Welt verkauft wurden, könnte ein Taumeln der US-Branche auch Europa kräftig erschüttern. Strengere Rechnung, bessere Freunde [...] September 2009 / Alexandra Riegler Den gesamten Artikel lesen Sie in der September-Ausgabe des pfm-Magazins. ( )© Telekom-Presse
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